Zitat: Fluch des Osho

Zitat mit Bumerang-Effekt

Der Fluch des Osho traf kürzlich eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Diese Dame hatte zu ihrer feierlichen Verabschiedung in den Ruhestand eingeladen und auf der Einladungskarte folgendes Zitat verwendet: „Fange an, diesen Moment zu leben, und du wirst sehen, je mehr du lebst, desto weniger Probleme wird es geben“.
Passt eigentlich ganz gut zu einer Person, die in den Ruhestand wechselt, oder nicht? Die Dame  hatte es allerdings versäumt, den Autor des Zitats anzugeben. Und sie hat es versäumt, sich über diese Person zu informieren.

Der Fluch des Osho

Genau das tat ein Festredner, der vor Jahren als Staatsanwalt gearbeitet hatte. Zu dessen zweiter Natur scheint es geworden zu sein, Ermittlungen aufzunehmen. Und er fand folgendes heraus:
Das  Zitat stammt von einem gewissen Osho. Dieser  war der berühmt-berüchtigte Bhagwan von Poona, der als „Sex-Guru“ bekannt war. Er soll ganze Heerscharen Entrückter in den Ashram gezogen haben, um dort mit wechselnden Partnerinnen und Partnern deren sexuelle Blockaden zu lösen.  „So gesehen bekommt der Satz ,Fange an, diesen Moment zu leben, und du wirst sehen, je mehr du lebst, desto weniger Probleme wird es geben‘  eine ganz eigene Bedeutung“, stellte der Redner fest.  Zur Erheiterung des Publikums tauchte dieser Osho immer wieder in der Ansprache auf. Die Verursacherin dieser Heiterkeit – jene Dame, die in den Ruhestand verabschiedet wurde –  lachte tüchtig mit, versprach später aber, nie wieder ein Zitat ungeprüft zu verwenden. (siehe: FN-Artikel)

Der „Fluch des Osho“ kann jeden treffen, der unbedacht mit Zitaten umgeht, auch wenn man die Quelle angibt. Denn Wahrheit und Weisheit eines Ausspruchs spielen kaum eine Rolle mehr, wenn der Zitatautor nicht unbescholten ist oder nicht zu dem Umfeld passt, in dem sein Ausspruch verwendet wird.

Zitat als rhetorisches Stilmittel

Man muss nicht gleich Hitler oder Stalin zitieren, um danebenzuliegen. Ein ernsthaft zitierter Ausspruch von Franz Josef Strauß kommt vor einem politisch links stehenden Publikum sicher ähnlich schlecht an wie ein Zitat von Rosa Luxemburg in rechten Kreisen. Es sei denn, man will provozieren. Oder den politischen Gegner vorführen. Dann setzt man ein solches Zitat allerdings ganz bewusst als ein rhetorisches Stilmittel ein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie von dem Fluch des Osho für alle Zeit verschont bleiben.
Copyright: www.diefeder.de

 

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