Langweiliges Grußwort

Vorsicht, Grußwort-Marathon!

Neue Trendsportart: Grußwort-Marathon

Vielleicht werden auch Sie von Zeit zu Zeit zur Teilnahme an der neuen Trendsportart für Honoratioren und Funktionsträger verpflichtet? Ich meine damit die immer mehr um sich greifenden Grußwort-Marathons. Diese Wettbewerbe werden mit großem Eifer vor allem von öffentlichen Einrichtungen veranstaltet,  zum Beispiel von Kommunen und Wirtschaftskammern. Da es eine Ehre darstellt, sich an einem solchen Rede-Marathon zu beteiligen, kann man sich diesem kaum entziehen.  Leidtragender solcher Wettbewerbe ist das Publikum. Die  sogenannte „Abstimmung mit den Füßen“, also das vorzeitige Sich-Entfernen vom Veranstaltungsort, ist meist nicht möglich. Denn man ist vielleicht beruflich zur Teilnahme verpflichtet, man bleibt aus Höflichkeit, will möglicherweise nach dem offiziellen Teil netzwerken oder man hat Hunger. Denn das Beste, also das Buffet, kommt zum Schluss.
Wenn dann –  wie jetzt – noch  Temperaturen von mehr als 30 Grad hinzukommen, wird die Sache für den Redner eines Grußworts nicht unbedingt einfacher, vor allem wenn er nicht zu den ersten gehört, die sprechen, sondern vielleicht Redner Nummer 23 ist.  Die Zuhörerschaft ist dann schon zu einer schweißtriefenden, nach Luft japsenden Masse mutiert und applaudiert auch dann nur müde,  wenn man als Redner eine rhetorische Glanzleistung abgeliefert hat.

Muss es unbedingt ein Grußwort sein?

Was also tun?
In der Regel können Sie als Grußwortredner keinen Einfluss auf das Format der Veranstaltung nehmen. Falls doch, könnten Sie den Veranstalter fragen: Müssen es immer Grußworte sein? Müssen es immer so viele Grußworte sein? Haben Sie auch an das Publikum gedacht? Oder geht es Ihnen in erster Linie darum, sich bei wichtigen Persönlichkeiten beliebt zu machen, indem Sie diesen ein öffentliches Forum bieten?
Statt vieler Reden und Grußworte könnte man Inhalte auch unterhaltsamer vermitteln, zum Beispiel durch ein Interview, einen gut gemachten, nicht zu langen Videobeitrag, durch humorvolle und originelle Beiträge, wenn dies der Anlass zulässt.

Grußwort einmal anders

Da Sie aber in der Regel den Ablauf der Veranstaltung nicht beeinflussen können, sollten Sie nach einer anderen Lösung suchen. Lassen Sie sich zunächst das geplante Programm der Veranstaltung geben. Vielleicht ist es möglich, aus zwei Grußworten eines zu machen. Versuchen Sie, sich mit einem weiteren eingeladenen Redner darauf zu einigen, dass nur einer von Ihnen beiden  in Ihrer beider Namen spricht.  Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel, betreibt dieses von ihm „Grußwort-Sharing“ genannte Verfahren seit Jahren schon  sehr erfolgreich. (Siehe auch http://redenschreiber-tipps.de/aus-der-werkstatt-eines-viel-redners/)
Oder Sie treten zu zweit auf die Bühne, also mit einem weiteren vorgesehenen Grußwortredner. Oder Sie bringen einen ungewöhnlichen Gegenstand mit, auf den Sie sich in Ihrer Rede beziehen. Für jede erlaubte Abweichung von der Norm wird Ihnen das Publikum dankbar sein.  Lassen Sie sich etwas einfallen!
Bei aller Kreativität steht an oberster Stelle: Fassen Sie sich kurz! Reden Sie prägnant, authentisch und pointiert. Und zeigen Sie auf diese Weise ein Herz für Ihr Publikum! Denn dessen Wohl sollte eigentlich im Mittelpunkt stehen, oder nicht?
Mehr unter http://www.diefeder.de/leistungen/redenschreiberportal/
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Bildnachweis: Fotolia)

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