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Genauigkeit Sprache

Genauigkeit macht glücklich

Immer wieder stolpere ich bei der Medienlektüre über sprachliche Fehler, die sich auszubreiten scheinen und auch in den mündlichen Sprachgebrauch einziehen. Hier ein aktuelles Beispiel von Spiegel-Online:

„Trotzdem blieb er seiner Heimat verbunden, selbst nachdem er als Apple-Chef zu einem der mächtigsten Wirtschaftslenker aufstieg.“
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tim-cook-coming-out-von-apple-chef-bricht-tabu-in-us-wirtschaft-a-1000277.html

Korrekt müsste es heißen:
„Trotzdem ist er seiner Heimat verbunden geblieben, selbst nachdem er als Apple-Chef zu einem der mächtigsten Wirtschaftslenker aufgestiegen war.“

Begründung:
Apple-Chef Cook ist sicher auch heute noch seiner Heimat verbunden. Die Handlung, die in der Vergangenheit beginnt, wirkt also in die Gegenwart hinein. Deshalb verwendet man hier korrekterweise das Perfekt. Nach der zeitlichen Konjunktion „nachdem“ steht die Vorvergangenheit, in diesem Fall also das Plusquamperfekt. Cook war zum mächtigsten Wirtschaftslenker aufgestiegen. Das ist ein abgeschlossener Vorgang in der Vergangenheit.

Nun könnte man einwenden: „Ist doch egal. Der andere versteht einen ja trotzdem.“ Das mag sein. Ich plädiere dennoch für Genauigkeit in der Sprache. Ich bin überzeugt davon, dass man seinen Adressaten damit besser erreicht, vielleicht weniger bewusst als unbewusst. Ähnlich ist es mit dem Kochen: Ein Fertiggericht macht zwar auch satt. Doch ein von einem Sterne-Koch geschmacklich abgestimmtes Gericht ist gesünder, begeistert und macht vielleicht auch glücklich.