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Wenn Redner nur mögen, wenn sie dürfen

Wie Floskeln eine Rede verwässern

„Mögen hätte ich schon wollen, nur dürfen habe ich mich nicht getraut.“ Der Komiker Karl Valentin bringt auf den Punkt, was wohl landauf, landab viele Redner betrifft. Sie mögen und dürfen, aber sie machen nichts. Sie wollen wohl, aber sie trauen sich nicht.
Wie oft haben Sie zum Beispiel schon gehört: „Ich möchte nun unseren Bürgermeister begrüßen.“ Oder: „Ich darf Sie herzlich willkommen heißen!“ Oder: „Ich will mich ganz besonders bedanken bei …“.

Mit Höflichkeit hat das nichts mehr zu tun, eher mit übertriebener Zurückhaltung.  Der Redner schwächt mit Ausdrücken wie „mögen, „wollen“  und  „dürfen“  seine beabsichtigte Aussage ab. Er strahlt Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen aus.

An seinem Geburtstag sagt man  , wenn man Geschenke entgegennimmt, ja auch nicht: „Ich möchte mich ganz herzlich bei Dir für das Geschenk bedanken.“ Oder: „Ich darf Dich recht herzlich bei mir willkommen heißen!“

Seien Sie in Ihrer Rede klar, freundlich und verbindlich

Sprechen Sie also besser folgendermaßen: „Herzlich Willkommen! Ich freue mich, dass Sie hier sind!“ Oder: „Ich begrüße ganz herzlich unseren Bürgermeister!“ Oder: „Vielen Dank Ihnen, lieber  …“.
Klare Ausdrucksweise, freundlich und verbindlich: Ihr Publikum wird es Ihnen danken.

 

 

Rollenwechsel tut einem Redenschreiber gut

Auch Redenschreiber sollten reden

Reden selbst zu halten ist eine gute Schule auch für Redenschreiber. Diese Erfahrung machte ich wieder einmal, als ich als Vorsitzender eines Gesangvereins durch ein Konzert führen durfte. Ich hielt an diesem Tag auf einer Messe einen Vortrag und kam nach eineinhalbstündiger Autofahrt gerade rechtzeitig zur letzten Chorprobe vor dem Konzert zurück. Dann waren geladene Gäste zu empfangen und an ihre Plätze zu führen. Und schließlich stand ich  im Chor und stimmte das Eröffnungslied mit an.

Vorbereitet sein ist alle

Anschließend wollte ich zur Begrüßungsansprache ans Rednerpult treten. Doch verdammt! Wo war denn das Rednerpult? Es stand doch sonst immer auf der linken Bühnenseite! Doch weil es keiner dort hingestellt hatte, war es nicht da.
Also musste ich meine Ansprache freistehend auf der Bühne halten. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mein Redemanuskript auf kleine Karteikärtchen übertragen. Und ich hätte mir ein Ansteckmikrophon besorgt. So hielt ich in der einen Hand das Mikrophon, in der anderen meine weißen Manuskriptblätter. Ich redete also unter denkbar unprofessionellen äußeren Umständen.

Nun könnte man meinen, dass eine gewisse Unprofessionalität durchaus charmant wirken könnte. Stimmt! Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Dennoch ziehe ich es vor, möglichst professionell zu wirken.

Souverän mit Unvorhergesehenem umgehen

Die Professionalität fängt bei der Vorbereitung an. Überprüfen Sie die Technik und die zu erwartende Redesituation so zeitig vor Ihrem Auftritt, dass Sie gegebenenfalls noch etwas ändern können. Planen Sie vor Ihrem Auftritt etwas Zeit ein, um sich auf Ihre Rede einzustimmen. Und lassen Sie sich vor unerwartet auftretenden Schwierigkeiten nicht aus der Ruhe bringen. Wenn beispielsweise das Mikro während der Ansprache versagt, so empfinden das manche Redner als peinlich. Das muss allerdings nicht sein. Peinlich für das Publikum wird eine kleine Panne oder ein Missgeschick nur, wenn das Ihnen als Redner peinlich ist. Tragen Sie solche Dinge also am besten mit Humor und Gelassenheit. Gehen Sie souverän damit um!

Ich persönlich habe aus den Missgeschicken bei dem Konzert gelernt. Warum nicht künftig immer ohne Rednerpult begrüßen und durch das Konzert führen? Ein Rednerpult mag dem Redner zwar Sicherheit vermitteln. Er kann sich quasi daran festhalten. Aber es stellt auch eine Barriere zwischen ihm und dem Publikum dar. Spricht man frei, idealerweise mit Ansteckmikrophon, ist man seinem Publikum näher und kann seine Persönlichkeit freier entfalten.

 

 

Wie ein Redenschreiber arbeitet

Wie Redenschreiber anderen die Worte in den Mund legen

Wie ein Schreiner, ein Fliesenleger, ein Bankkaufmann arbeiten, das können sich die meisten Leute vorstellen. Aber ein Redenschreiber? Einer, der anderen die Worte sozusagen in den Mund legt? Wenn man mich nach meiner Arbeitsweise fragt, wird korrekterweise angeführt, dass ein Redner über ein spezifisches Temperament, einen für ihn typischen Humor und über eine für ihn charakteristische Sprache verfüge. Wie kann man als Redenschreiber all dies berücksichtigen?

Checkliste mit Fragen

Grundsätzlich wäre es natürlich hilfreich, wenn der Redenschreiber den Auftraggeber persönlich kennen würde, ihn zumindest ein Mal treffen könnte. Doch das ist leider meist nicht möglich. Oft erteilen Redner ihre Aufträge relativ kurzfristig. Außerdem scheuen sie die Kosten, die durch ein persönliches Treffen entstehen würden.  Deshalb tauschen sich Auftraggeber und Redenschreiber meist über Telefon und E-Mail aus. Ich verfüge über eine Checkliste an Fragen, die ich dem Auftraggeber zuschicke oder telefonisch kläre. Darin geht es zum Beispiel um die Redesituation, die Stellung des Redners, sein Publikum, seine Absichten und Ziele. Außerdem interessiert mich, welche Reden berühmter Persönlichkeiten dem Auftraggeber zusagen und welche nicht. So kann ich mir einigermaßen ein Bild von meinem Auftraggeber machen. Und ganz wichtig: Ich suche mit dem Auftraggeber nach Geschichten, Anekdoten, Episoden, die man in die Rede einbauen könnte. Auf diese Weise wird die Rede anschaulicher und emotionaler.

Wie aus der „Schreibe“ eine Rede wird

Dann verfasse ich die Rede und arbeite sie so lange um, bis der Auftraggeber zufrieden ist. Doch auch dann ist die Rede noch keine Rede, sondern eine „Schreibe“. Der Redner sollte den Text seinem Sprachduktus anpassen. Außerdem sollte er möglichst frei vom Manuskript vortragen. Das bedeutet für ihn: Üben, üben, üben!

 

Hilfe, Begrüßungsmarathon!

Wie Sie Ihr Publikum verlieren …

„Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich willkommen zu unserer Veranstaltung. Ganz besonders begrüße ich …“.  Und dann folgt eine nicht enden wollende namentliche Begrüßung mehr oder weniger wichtiger Persönlichkeiten. Damit hat der Redner sein Publikum verloren, noch bevor er es gewonnen hatte.
Sicher, als Redner kommt man nicht umhin, gewisse Persönlichkeiten namentlich zu begrüßen. Aber müssen es so viele sein? Auf lokaler Ebene sollte man den Bürgermeister und die Vertreter der Kirchen mit Namen nennen. Aber warum alle anderen? Warum jeden Abgeordneten einzeln, wenn man auch sagen kann: „unsere Vertreter im Land- und Bundestag“. Schließlich ist man als Redner nicht verpflichtet, für Politiker Wahlkampf zu machen.

… und wie Sie es gewinnen

Meine Faustregel für Sie: Wenn Sie namentlich begrüßen müssen, dann nicht mehr als drei Personen auf einmal. Wollen Sie mehr Persönlichkeiten namentlich nennen, so streuen Sie diese Begrüßungen in den weiteren Verlauf der Veranstaltung ein. Damit ersparen Sie Ihrem Publikum einen langweiligen Begrüßungsmarathon.
Statt mit der Begrüßung zu beginnen, sollten Sie mit einem sogenannten „Eisbrecher“ einen positiven Kontakt zu ihrer Zuhörerschaft herstellen. Das kann eine humorvolle Anekdote sein oder auch ein ehrlich gemeintes Kompliment für die gute Organisation oder die Schönheit des Veranstaltungsorts.

Gesundheitsgefährdung: EU verbietet Grußworte

In die Ohnmacht gegrußwortet

Ganz so schlimm ist es noch nicht – zum Glück! Die EU ist noch nicht tätig geworden. Aber sicher ist es Ihnen auch schon so ähnlich wie mir gegangen: Sie besuchten eine Eröffnung, Einweihung oder eine andere feierliche Veranstaltung, und Sie litten. Denn es trat eine Armada von Grußwortrednern nacheinander ans Rednerpult.  Und jeder von diesen sagte im Prinzip das Gleiche, der eine länger, der andere kürzer. Dazwischen verlängerte ein musikalischer Beitrag die Zeremonie. Im Hintergrund wurde derweil das Kalte Büffet aufgebaut. Das Geschirr klapperte, und der eine oder andere Korken einer Sektflasche knallte. Dies führte zwar zur Erheiterung des Publikums, trieb die Redner aber leider nicht zur Eile an.
Bei einer Einweihungsfeier in einem Dorf in meiner Nähe wurde  eine Zuhörerin sogar in Ohnmacht gegrußwortet. Denn die Zeremonie fand bei 30 Grad im Schatten im Stehen statt und hatte schon zweieinhalb Stunden gedauert.

Rednerliste kürzen

Wer macht hier etwas falsch? Zunächst der  Veranstalter. Dieser will sich mit möglichst vielen mehr oder weniger prominenten Personen schmücken oder fühlt sich verpflichtet, diese einzuladen.  Doch diese Gäste wünschen sich als Gegenleistung, ein Grußwort sprechen zu dürfen. Denn nur wer spricht, wird in der Regel von der lokalen Presse namentlich genannt. Als Veranstalter sollte man nicht nur die Redezeit der Grußwortredner begrenzen, sondern auch deren Anzahl. Wenn dies nicht möglich ist, sollte man die Rednerliste entzerren. Ein Teil der Redner könnte zum Beispiel später sprechen, vielleicht nach einem Sektumtrunk.
Auch die Verantwortlichen der Presse könnten ihren Teil zu kürzeren Zeremonien beitragen. Indem sie zum Beispiel in einem Info-Kasten neben dem Hauptartikel die Namen der Ehrengäste nennen, auch wenn diese keine Rede gehalten haben. Damit könnte der Zwang des Redenmüssens bei den Ehrengästen entfallen.

„Gruß-Wort“ statt „Gruß-Roman“

Und natürlich sind auch die Grußwortredner gefragt. Sie könnten sich darauf besinnen, dass es „Gruß-Wort“ heißt und nicht „Gruß-Roman“. Sie könnten  öfter mal auf ihr Grußwort verzichten und immer das Publikum und die äußeren Umstände im Auge behalten. Denn schließlich ist das Publikum nicht für die Redner da, sondern die Redner für das Publikum.

 

 

Aristoteles-Rhetorik bei Steve Jobs

Reden mit Ethos, Pathos und Logos

Die Regeln guter Rhetorik sind so alt wie die menschliche Sprache.  Da wundert es nicht, dass sich auch Apple-Gründer Steve Jobs bewährter, rhetorischer Mitteln bediente. So fanden die Autoren der Studie „Charismatische Führung und rhetorische Kompetenz: Eine Analyse von Steve Jobs‘ Rhetorik“   heraus,  dass der Apple-Gründer bei seinen Reden die Prinzipien Ethos, Pathos und Logos des antiken griechischen Philosophen Aristoteles anwandte. „Ethos“ meint hier das Image des Redners als moralische Instanz, „Pathos“ seine Fähigkeit, sein Publikum emotional zu erreichen und „Logos“ die Verwendung rationaler, logischer Argumente.

Christoph Lixenfeld, Autor des Onlinemagazins „CIO„, fasste Steve Jobs‘ Rhetorik in sechs Regeln zusammen:

  • Fokussiere dich auf wenige zentrale Themen, die dich und  dein Geschäft beschreiben.
  • Eigne dir eine Reihe eingängiger Metaphern an, die du je nach Situation variierst.
  • Wiederhole diese Themen und Metaphern ständig.
  • Kenne deine Zuhörer. Was denken sie? Was fühlen sie? Was erwarten sie von dir?
  • Stelle dich auf die jeweilige Situation ein, indem du die Anteile von Logos, Ethos und Pathos in deiner Rede anpasst.
  • Lege großes Augenmerk auf deine Glaubwürdigkeit und dein Image. Sie sind der Schlüssel zu fast allem.

Gute Redner zeichnet also eine starke Persönlichkeit aus, die sie stets weiterentwickeln, sowie eine gute Vorbereitung auf ihren öffentlichen Auftritt.

Gute Redner erzählen Geschichten

Geschichten erzählen ist entscheidend für eine erfolgreiche Kommunikation, unabhängig davon, ob schriftlich oder mündlich. Gute Redner erzählen Geschichten. Denn Geschichten unterhalten, emotionalisieren. Man kann mit ihnen Spannung aufbauen, überraschen, humorvoll sein.

Björn Eichstädt, Kommunikationsexperte, meint zu diesem Thema:

„Ein gelungenes Storytelling lebt von Menschen und deren Herausforderungen. Es beschreibt in aller Regel eine Entwicklung, eine Erkenntnis, ein Erreichen eines Ziels. Aufbereitet kann die erzählte Geschichte in allen möglichen Formaten sein.“
(http://02elf.net/panorama/medien/storytelling-kunst-gute-geschichte-erzaehlen-849880.html)

Wenn Sie also Ihre Person oder Ihr Unternehmen präsentieren, erzählen Sie eine Geschichte. Zum Beispiel könnten Sie folgende Fragen beantworten: Warum machen Sie das, was Sie machen? Welche Schwierigkeiten mussten Sie überwinden? Was war Ihr größter geschäftlicher Erfolg und wie kam es dazu?

Gute Redner sind immer auch gute Geschichtenerzähler.

 

 

Genauigkeit Sprache

Genauigkeit macht glücklich

Immer wieder stolpere ich bei der Medienlektüre über sprachliche Fehler, die sich auszubreiten scheinen und auch in den mündlichen Sprachgebrauch einziehen. Hier ein aktuelles Beispiel von Spiegel-Online:

„Trotzdem blieb er seiner Heimat verbunden, selbst nachdem er als Apple-Chef zu einem der mächtigsten Wirtschaftslenker aufstieg.“
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tim-cook-coming-out-von-apple-chef-bricht-tabu-in-us-wirtschaft-a-1000277.html

Korrekt müsste es heißen:
„Trotzdem ist er seiner Heimat verbunden geblieben, selbst nachdem er als Apple-Chef zu einem der mächtigsten Wirtschaftslenker aufgestiegen war.“

Begründung:
Apple-Chef Cook ist sicher auch heute noch seiner Heimat verbunden. Die Handlung, die in der Vergangenheit beginnt, wirkt also in die Gegenwart hinein. Deshalb verwendet man hier korrekterweise das Perfekt. Nach der zeitlichen Konjunktion „nachdem“ steht die Vorvergangenheit, in diesem Fall also das Plusquamperfekt. Cook war zum mächtigsten Wirtschaftslenker aufgestiegen. Das ist ein abgeschlossener Vorgang in der Vergangenheit.

Nun könnte man einwenden: „Ist doch egal. Der andere versteht einen ja trotzdem.“ Das mag sein. Ich plädiere dennoch für Genauigkeit in der Sprache. Ich bin überzeugt davon, dass man seinen Adressaten damit besser erreicht, vielleicht weniger bewusst als unbewusst. Ähnlich ist es mit dem Kochen: Ein Fertiggericht macht zwar auch satt. Doch ein von einem Sterne-Koch geschmacklich abgestimmtes Gericht ist gesünder, begeistert und macht vielleicht auch glücklich.