Kategorie-Archiv: Rhetorik

authentsich reden ohne Zitat

Authentisch reden ohne Zitate

Zitate in einer Rede – Segen oder Fluch?

Ein Mensch darf, soll, muss eine Rede halten. Was tut er? Er geht ins Internet und sucht nach  Zitaten. Und dort wird er fündig. Dort wird jeder fündig. Doch wird man so authentisch reden? Die Kunst liegt darin, das richtige, das passende Zitat auszuwählen und es elegant in seine Rede einzuarbeiten.
Weil inzwischen nahezu jeder einen Zugang zum Internet hat, gleichen sich die Feld-, Wald- und Wiesen-Reden bei Eröffnungen, Begrüßungen oder Feiern immer mehr: Zitat – Begrüßung – Zitat – Blabla – Zitat – Ende.
Früher, vor den Zeiten des Internets, mag es ein Zeichen von Bildung gewesen sein, wenn man ein kluges Zitat in einer Rede verwendete. Heute kommt es vor, dass der Redner nach einem schönen Bonmot den Namen des fremdländischen Autors falsch ausspricht, wie unlängst bei einer Konzerteröffnung geschehen: Der Redner wählte für den fanzösischen Autor Victor Hugo die Aussprache des beliebten Holundersekt-Getränkes.

Authentisch reden

Ich appelliere ich an Sie: Halten Sie doch einfach mal wieder eine Rede ohne Zitate! Gut, Sie müssen sich dann selbst etwas einfallen lassen.  Sie können in diesem Fall nicht einfach den Gedanken eines Zitatgebers weiterentwickeln.  Sie müssen selbst kreativ und witzig sein.
Doch wenn Sie Ihre Sache gut machen, werden Sie eine viel authentischere  Rede halten, die Ihren Zuhörern in Erinnerung bleiben wird. Eben weil sie nicht nach „Schema F“ aufgebaut ist. Weil Sie vielleicht auch ein Stück Ihrer Persönlichkeit preisgegeben haben.

Sechs Tipps für die Verwendung von Zitaten

Falls Sie Ihre Rede mit einem Zitat aufwerten wollen, hier sechs Tipps, die Sie dabei beherzigen sollten:

  1. Das Zitat muss zu Ihnen passen. Es muss in Ihnen etwas auslösen. Sie müssen es richtig gut finden.
  2. Falls Sie Ihre Reden nicht komplett frei halten: Das Zitat sollten Sie auswendig vortragen. Sie erreichen damit Ihr Publikum besser.
  3. Zitate sollten kurz und prägnant sein. Vermeiden Sie „Vorlesestunden!“
  4. Vermeiden Sie zu viele Zitate! Ein Zitat sollte die Sahnekirsche in Ihrer Rede sein. In längeren Reden können Sie auch mehrere verwenden. Aber wie gesagt: Gehen Sie sparsam mit Zitaten um!
  5. Nennen Sie immer den Zitatgeber. Dabei können Sie variieren, zum Beispiel: „Wie XY sagte …“ oder „Nach den Worten von XY“ .
  6. Fragen Sie sich vor Verwendung eines Zitats immer: Könnte ich dasselbe ohne Zitat genauso gut oder besser, dafür authentischer sagen?

Authentisch reden geht übrigens sehr gut oder vielleicht sogar besser ohne Zitate. Martin Luther King beweist dies eindrucksvoll mit seiner Rede „I have a dream“ (https://usa.usembassy.de/etexts/soc/traum.htm).  Oder Steve Job in seiner Rede an der Stanford-University (https://www.youtube.com/watch?v=DpMwWaxoI4Y).

Weitere Infos unter Redenschreiberportal 

 

 

 

 

Geschichten erzählen

Geschichten erzählen, Gefühle wecken

Geschichten erzählen hilft, Ziele zu erreichen

Gute Redner sind gute Geschichtenerzähler. Indem Sie gute Geschichten erzählen  und dies auch noch auf eine gute Weise, lösen Sie Emotionen in Ihren Zuhörern aus. Diese hören gebannt zu und schenken Ihnen Ihre  volle Aufmerksamkeit. Denn die Menschen wollen wissen, wie es weitergeht. Am Ende der Rede behalten die Zuhörer Sie und Ihre Geschichte in guter Erinnerung. Und womöglich tun sie genau das, wozu Sie sie motivieren wollten. Sie kaufen etwas, ändern ihr Verhalten oder machen kostenlos Werbung für Sie. Und genau das ist es doch, was wir als Redner erreichen wollen, oder nicht?

Leider gibt es sehr viele negative Beispiele von Präsentatoren, die genau dies nicht schaffen. Denn ihr Vortrag ist mit Fakten überfrachtet. Die Präsentatoren, die ich bewusst nicht als Redner bezeichne, zeigen mit  der Software Powerpoint Schaubilder, Tabellen und Textwüsten. Sie dozieren wie ein Professor alter Schule in einem Pro-Seminar.  Am Ende haben sie womöglich ihr Publikum bestens ausgebildet, wenn es denn zugehört und alles verstanden hätte. Aber außer einem artigen Applaus geschieht in der Regel nichts.

Zuerst die Geschichte, dann die Fakten

Albert Brückmann aus Mosbach, www.albertbrueckmann.de, hat bei seiner Präsentation alles richtig gemacht. Er stellte  kürzlich sein Startup-Unternehmen „Meminto“ vor. Dabei handelt es sich um ein digitales Werkzeug für PC und Smartphone. Damit kann man zu Lebzeiten sicherstellen , dass die Nachkommen über den hinterlassenen  digitalen Nachlass verfügen können. Dabei geht es nicht nur um Passwörter für Internetportale, sondern auch um Fotos und Videos, die in der Cloud hinterlegt sind. Ein wertvoller Schatz der Erinnerung!

Albert Brückmann hätte nun über die technischen Feinheiten seines Programms informieren können. Er hätte dessen Funktionsweise beschreiben, durch die Menüsteuerung führen können. Er hätte Statistiken präsentieren können über hinterlassenen Datenmüll im Internet. Er hätte über den Stand der Forschung zu diesem Thema sprechen und seine Ausführungen mit Schaubildern und Tortengraphiken untermauern können. Doch all das tat er nicht.

Er erzählte eine Geschichte.

Die Geschichte über eine Uhr, die nur in sehr kleiner Stückzahl hergestellt wird und deshalb sehr viel Geld kostet. Eine Uhr, die man kauft, um sie zu vererben. Ein Erinnerungsstück für den Sohn, wenn der Vater tot ist, für den Enkel, für den Urenkel. Ein Gegenstand, der den Verstorbenen über Jahre begleitet hat, den er immer getragen hat. Kann es ein emotionaleres Erinnerungsstück an einen geliebten Menschen geben? Man spürte: Die Zuhörer waren berührt. Ich denke, jeder fragte sich: Was hat das mit Meminto, was hat das mit mir zu tun?

Dieser Brückenschlag gelang Albert Brückmann auf perfekte Weise. Denn ähnlich wie bei dieser wertvollen Uhr verbinden wir alle wertvolle Erinnerungen an einen geliebten Menschen mit Bildern aus glücklichen Tagen. Und diese Fotos und Videos liegen zunehmend digital vor, oft in Portalen und in der Cloud. Und damit all das nicht verlorengeht, dafür gibt es Meminto.

MIt diesem Einstieg hatte Albert Brückmann das Publikum für sich gewonnen und sein Interesse geweckt. Jetzt wollten es die Zuhörer genauer wisssen: Wie funktioniert das? Was kostet das? Was kann man damit machen? Über Emotionen weckt man Interesse. Über das Gefühl erhält man Zugang zum Verstand seiner Zuhörer.  Und nicht umgekehrt. Wann werden also auch Sie nicht mehr präsentieren, sondern Geschichten erzählen?
Siehe auch: Redenschreiberportal

 

Langweiliges Grußwort

Vorsicht, Grußwort-Marathon!

Neue Trendsportart: Grußwort-Marathon

Vielleicht werden auch Sie von Zeit zu Zeit zur Teilnahme an der neuen Trendsportart für Honoratioren und Funktionsträger verpflichtet? Ich meine damit die immer mehr um sich greifenden Grußwort-Marathons. Diese Wettbewerbe werden mit großem Eifer vor allem von öffentlichen Einrichtungen veranstaltet,  zum Beispiel von Kommunen und Wirtschaftskammern. Da es eine Ehre darstellt, sich an einem solchen Rede-Marathon zu beteiligen, kann man sich diesem kaum entziehen.  Leidtragender solcher Wettbewerbe ist das Publikum. Die  sogenannte „Abstimmung mit den Füßen“, also das vorzeitige Sich-Entfernen vom Veranstaltungsort, ist meist nicht möglich. Denn man ist vielleicht beruflich zur Teilnahme verpflichtet, man bleibt aus Höflichkeit, will möglicherweise nach dem offiziellen Teil netzwerken oder man hat Hunger. Denn das Beste, also das Buffet, kommt zum Schluss.
Wenn dann –  wie jetzt – noch  Temperaturen von mehr als 30 Grad hinzukommen, wird die Sache für den Redner eines Grußworts nicht unbedingt einfacher, vor allem wenn er nicht zu den ersten gehört, die sprechen, sondern vielleicht Redner Nummer 23 ist.  Die Zuhörerschaft ist dann schon zu einer schweißtriefenden, nach Luft japsenden Masse mutiert und applaudiert auch dann nur müde,  wenn man als Redner eine rhetorische Glanzleistung abgeliefert hat.

Muss es unbedingt ein Grußwort sein?

Was also tun?
In der Regel können Sie als Grußwortredner keinen Einfluss auf das Format der Veranstaltung nehmen. Falls doch, könnten Sie den Veranstalter fragen: Müssen es immer Grußworte sein? Müssen es immer so viele Grußworte sein? Haben Sie auch an das Publikum gedacht? Oder geht es Ihnen in erster Linie darum, sich bei wichtigen Persönlichkeiten beliebt zu machen, indem Sie diesen ein öffentliches Forum bieten?
Statt vieler Reden und Grußworte könnte man Inhalte auch unterhaltsamer vermitteln, zum Beispiel durch ein Interview, einen gut gemachten, nicht zu langen Videobeitrag, durch humorvolle und originelle Beiträge, wenn dies der Anlass zulässt.

Grußwort einmal anders

Da Sie aber in der Regel den Ablauf der Veranstaltung nicht beeinflussen können, sollten Sie nach einer anderen Lösung suchen. Lassen Sie sich zunächst das geplante Programm der Veranstaltung geben. Vielleicht ist es möglich, aus zwei Grußworten eines zu machen. Versuchen Sie, sich mit einem weiteren eingeladenen Redner darauf zu einigen, dass nur einer von Ihnen beiden  in Ihrer beider Namen spricht.  Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel, betreibt dieses von ihm „Grußwort-Sharing“ genannte Verfahren seit Jahren schon  sehr erfolgreich. (Siehe auch http://redenschreiber-tipps.de/aus-der-werkstatt-eines-viel-redners/)
Oder Sie treten zu zweit auf die Bühne, also mit einem weiteren vorgesehenen Grußwortredner. Oder Sie bringen einen ungewöhnlichen Gegenstand mit, auf den Sie sich in Ihrer Rede beziehen. Für jede erlaubte Abweichung von der Norm wird Ihnen das Publikum dankbar sein.  Lassen Sie sich etwas einfallen!
Bei aller Kreativität steht an oberster Stelle: Fassen Sie sich kurz! Reden Sie prägnant, authentisch und pointiert. Und zeigen Sie auf diese Weise ein Herz für Ihr Publikum! Denn dessen Wohl sollte eigentlich im Mittelpunkt stehen, oder nicht?
Mehr unter http://www.diefeder.de/leistungen/redenschreiberportal/
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Bildnachweis: Fotolia)

Dr. Achim Brötel

Aus der Werkstatt eines Viel-Redners

Dr. Achim Brötel bezeichnet sich zuweilen als Wanderprediger, der dafür sorgt, dass die Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis sich ausreichend gegrüßt fühlen. Seine mehr als 200 Grußworte im Jahr sind zuweilen humorvoller als manche Büttenrede an Fastnacht. Ein Gespräch mit einem Dauerredner, der nebenher auch noch Landrat der Neckar-Odenwlad-Kreises ist.

Herr Dr. Brötel, wie viele Büttenreden halten Sie eigentlich im Jahr?

Büttenreden im Grunde gar keine. Zumindest verstehe ich mich außerhalb der Faschenacht nicht so. Richtig ist aber schon, dass ich es einfach etwas anders zu machen versuche. Mich selbst stört es kolossal, wenn irgendwo Reden völlig emotionslos und dann womöglich auch noch ohne erkennbare inhaltliche Substanz gehalten werden. Deshalb gebe ich schon beim Tempo ganz bewusst Gas, obwohl ich weiß, dass manche beim Zuhören dadurch Probleme bekommen. Eine ältere Dame hat bei einem Altennachmittag einmal so goldig zu mir gesagt: „Sie hebbe wirklich ganz toll gsproche, Herr Landrat – bloß verstanne hab ich Sie net“. Ich will aber in der Tat erreichen, dass die Leute aufpassen.

Ihre Grußworte zeichnen sich durch großen Humor aus. Woher nehmen Sie die Witze und Anekdoten?

Ich bin Jäger und Sammler. Oft schnappe ich irgendetwas auf. Man muss das Rad ja nicht jeden Tag neu erfinden. Allerdings kann ich mir bei der Fülle von Themen und Kontakten, die permanent auf mich einprasseln, vieles leider nicht auswendig merken. Deshalb habe ich immer ein kleines Blöckchen und einen Stift mit dabei. Schließlich bin ich ja auch keine 50 mehr …. Dann lese ich für mein Leben gern. Auch dabei findet sich oft etwas. Im Übrigen ist aber natürlich das Internet ebenfalls eine sehr ergiebige Quelle. Und: Manches kann man ruhig auch noch etwas weiter ausschmücken. Ich schreibe ja Grußworte und Gottseidank keine Doktorarbeit mehr.

Wie stellen Sie sicher, dass Sie denselben Witz nicht vor dem gleichen Publikum ein zweites Mal erzählen?

Für manche wäre es vielleicht sogar hilfreich, wenn ich ihn zum zweiten Mal erzählen würde, damit sie ihn wenigstens dann verstehen. Nein, aber im Ernst: Natürlich wiederholen sich auch bei mir manche Dinge. Das ist doch völlig normal. Viele Zuhörer merken das aber entweder nicht oder sind zumindest so höflich, mich nicht ausdrücklich darauf hinzuweisen. Letzteres hat bisher nur ein guter Freund aus dem Rotweindorf Waldhausen fertig gebracht, dort allerdings auf offener Bühne. Aber: Er hat ja Recht gehabt. Grundsätzlich versuche ich jedoch schon, möglichst vieles zu variieren.

Sie treten zwar mit Manuskript ans Rednerpult. Ihre Grußworte klingen dennoch nicht abgelesen. Wie machen Sie das?

Das ist ganz eigenartig. Ich habe früher ja auch 13 Jahre lang mit der BCH-Combo Tanzmusik gemacht. Wenn ich da keinen Notenständer und meine Mappe vor mir gehabt habe, war ich total unsicher. Hineingeschaut habe ich im Grunde aber nie. Das gibt einfach ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Es ist beruhigend, dass man zur Not etwas hat, auf das man zurückgreifen kann. So ähnlich ist das mit Redemanuskripten auch. Ablesen tue ich nie. Für mich ist das eher so etwas wie eine Rückfallebene. Ein roter Faden, den man aus dem Augenwinkel heraus im Blick behalten kann. Es muss aber auf jeden Fall auch noch genügend Raum für Spontaneität sein. Deshalb gibt es kaum eine Rede, die ich tatsächlich so halte, wie ich sie ursprünglich einmal vorbereitet hatte.

Wann und wo schreiben Sie Ihre Grußworte?

Fast ausschließlich zuhause. Im Dienst geht so etwas gar nicht. Da ich unter präseniler Bettflucht leide und schon seit 28 Jahren werktags immer um 4.30 Uhr aufstehe, ist diese Frühschicht mehr und mehr zu meiner Grußwortschmiede geworden. Eine schöne Tasse Kaffee, ein kuschelig warmes Arbeitszimmer und ringsherum himmlische Ruhe – das ist das Umfeld, in dem ich am besten kreativ sein kann.

Sie bezeichnen sich gern als leidenschaftlicher Grußwortredner. Als Journalist ist man eher leidgeprüfter Grußworthörer. Wie kann man sich als Zuhörer am besten auf einen Grußwort-Marathon vorbereiten?

Es ist richtig, dass ich damit oft kokettiere. Im Grunde denke ich aber völlig anders über das Ganze. Grußworte sind eigentlich ein überholter Zopf, den man dringend abschneiden müsste. Ich wundere mich eh über die Leidensfähigkeit vieler Zuhörerinnen und Zuhörer, die das zumeist klaglos ertragen, was ihnen da geboten wird. Weniger wäre jedenfalls auch hier mit Sicherheit mehr. Ich habe einmal ganz bewusst nachgezählt. Allein im letzten Jahr waren es weit über 200 Grußworte, die ich halten musste. Wenn man sich darauf gezielt vorbereitet, so wie ich es immer tue, macht das ganz nebenbei auch eine Menge Arbeit. Ich würde das deshalb wirklich gerne reduzieren und hätte überhaupt kein Problem damit, bei zahlreichen Veranstaltungen sogar ganz auf Grußworte zu verzichten. Wenn ich die Hälfte der dadurch gewonnenen Zeit in konzeptionelles Nachdenken und die andere Hälfte in etwas mehr Freizeit investieren könnte, wäre das für mich wirklich ein Segen. Ich finde deshalb, dass wir dringend über neue Veranstaltungsformate nachdenken müssen. Nur weil etwas immer so war, heißt es nicht, dass es auch morgen und übermorgen noch so sein muss.

Zum Schluss eine Bitte: Hätten Sie ein kurzes Grußwort für unsere Leser? Aber wirklich ein ganz kurzes!

Das ist für einen Buchener in dieser Jahreszeit natürlich ein Leichtes: Hinne Houch! Damit ist alles gesagt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Redenschreiber Applaus

Damit bei Humor keinem das Lachen vergeht

Humor lockert eine Rede auf

„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt“, hat Joachim Ringelnatz festgestellt. Humor in der Rede ist, ausgenommen in der Trauerrede, also grundsätzlich etwas Gutes. Bei ernsten Themen hilft auch Galgenhumor.
Humor lockert auf, entspannt das Publikum und macht es (wieder) aufnahmefähig für neue Botschaften. Immer wieder werde ich als Redenschreiber gebeten, eine lockere und humorvolle Rede zu verfassen. Doch Humor birgt auch Risiken. Denn auch Humor ist Geschmackssache.
Generell sollte man in seiner Rede anzügliche und derbe Witze vermeiden. Vorsicht auch mit Frauen- und Blondinenwitzen! Wenn man meint, solche in seine Rede einbauen zu müssen, bedarf es einer geschickten Einleitung, damit die Frauen im Publikum nicht mokiert sind, sondern auch darüber lachen können. Als  Redenschreiber gehe ich auch sorgfältig mit Politiker-Zitaten um, vor allem, wenn die Politiker noch aktiv sind. Denn zu leicht wird der Redner in eine Schublade gesteckt, in die er nicht hinein möchte.

Redenschreiber warnen vor dem Gebrauch von Ironie

Ein mir bekannter Kommunalpolitiker, den ich oft reden höre, pflegt, seine Anekdoten und Witze mehrfach zu verwenden. Im Prinzip spricht nichts dagegen, wenn das Publikum zumindest zum großen Teil nicht dasselbe ist. Da jedoch gerade im kommunalpolitischen Bereich viele Veranstaltungen hauptsächlich wegen der Presse sowie anderer Politiker und Honoratioren stattfinden, ist das nicht immer der Fall. Verständlich, dass die Zuhörer noch nicht einmal schmunzeln, wenn der Redner einen schon öfter von ihm vorgetragenen Witz erzählt. Als Redner sollte man mit dieser Nicht-Reaktion souverän umgehen. Die Situation wird nur peinlich, wenn man sie als Redner als peinlich empfindet.
Vorsicht mit Ironie! Nicht jeder versteht sie so, wie sie gemeint ist.

Trotz der kleinen Gefahren, die bei der Verwendung von Humor lauern: Eine Rede, auch eine ernste oder inhaltsschwere, soll die Menschen auch unterhalten. Und dafür ist Humor ein bewährtes Mittel.

Copyright: www.diefeder.de

 

redenschreiber-tipps.de

Lernen Sie von der Rede der Nobelpreisträgerin

Mit einer Rede berühren wie die Nobelpreisträgerin

„Malala berührt mit Dankesrede“ überschrieb die Neue Züricher Zeitung gestern einen Artikel über die Verleihung des Friedensnobelpreises an die 17-jährige Malala Yousafzai aus Pakistan. Der Verfasser berichtet von einer „leidenschaftlichen Rede“, die das Publikum „berührt“ habe.

Was machte die Rede der jüngsten Nobelpreisträgerin aller Zeiten leidenschaftlich? Lag es an ihrem Alter? An ihrer Unerfahrenheit? Sicher nicht. Auch wenn es möglicherweise ihrem Alter und ihrer Herkunft zuzuschreiben ist, dass sie viele Fehler vermied, die viele „sozialisierte“ Redner häufig machen.

Zeigen Sie Persönlichkeit

Nach dem Autor des Beitrags macht die junge Frau einige Dinge richtig, die jeder Redner beherzigen sollte: Sie wirkt menschlich, authentisch und persönlich, sie hat Humor und vertritt einen klaren Standpunkt. So nimmt sie sich humorvoll selbst auf die Schippe: „Ich bin ziemlich sicher, dass ich auch die erste Empfängerin des Friedensnobelpreises bin, die immer noch mit ihren jüngeren Brüdern streitet.“

Sie charakterisiert sich selbst und bezeichnet sich als „stur“, dies aber im positiven Sinn: stur darin, für alle Kinder eine gute Ausbildung, gleiche Rechte für Frauen und Frieden in jeder Ecke der Welt zu erreichen. Damit ist jedem im Saal klar, wofür sie steht.

Natürlich darf man bei der Wirkung ihrer Rede nicht außer Acht lassen, dass sie als Opfer eines Taliban-Anschlags und jüngste Nobelpreisträgerin eine besonders hohe Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Publikums genießt. Doch diese Tatsache allein würde sie nicht davor schützen, eine langweilige oder austauschbare Rede zu halten.  Davor ist letztlich niemand gefeit, der sich nicht an grundlegende Regeln der Rhetorik hält.

Was wir aus der Rede von Malala lernen können

Beherzigen Sie also folgende Regeln in Ihrer nächsten Rede:

  1. Seien Sie konkret statt abstrakt. Episoden aus dem wahren Leben berühren mehr als allgemeine Phrasen.
  2. Seien Sie persönlich. Geben Sie etwas von sich preis, vielleicht eine kleine Schwäche oder Leidenschaft.
  3. Vertreten Sie einen klaren Standpunkt in einer klaren, unmissverständlichen Sprache.
  4. Seien Sie authentisch und damit glaubwürdig.  Ihre Worte müssen zu Ihrer Persönlichkeit passen.

Copyright Martin Bernhard,  www.diefeder.de.

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Erfolgreicher mit Ihrer Rede zum Jahreswechsel

Wichtig: Ein guter Rede-Beginn als Eisbrecher

Kürzlich besuchte ich den Jahresschlussempfang einer IHK. Der Präsident war der einzige Redner. Er durfte begrüßen, die wirtschaftliche Situation beurteilen, einen Video in seine Rede einflechten, ein verdientes Mitglied ehren – eine Mammutaufgabe für einen Redner. Der Mann mag ein hervorragender Präsident und Manager sein – doch mit dieser sicher nicht leichten Aufgabe  war er etwas überfordert.

So fehlte seiner Rede ein richtiger Anfang. Der Mann fing einfach an zu begrüßen. So begrüßte er mehrere Minuten lang mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten, ganz ohne Ein- und Überleitung. Das Publikum blieb unruhig und unaufmerksam. Kein Wunder: Es fehlte der sogenannte „Eisbrecher“, mit dem man zu Beginn einen Kontakt, eine Beziehung zum Publikum herstellt und dessen Aufmerksamkeit gewinnt. Das kann eine nette Geschichte sein, ein persönliches Erlebnis, etwas Humorvolles. Hat man auf diese Weise die Aufmerksamkeit und die Zuneigung des Publikums gewonnen, kann man mit dem Hauptteil der Rede beginnen.

Geben Sie Ihrem Publikum zu Beginn einen Überblick über Ihre Rede

Da der Redner mit seinem Vortrag einen weiten Bogen spannte und viele verschiedene Themenbereiche ansprach, wäre es für die Zuhörer hilfreich gewesen, der Redner hätte zu Beginn einen Überblick über seine Rede gegeben. Dann hätte man sich im Verlauf der Rede besser orientieren können. So hatte man den Eindruck, der Redner arbeite verschiedene Pflichtbereiche einfach ab. Von der Bildungs- über die Steuerpolitik bis zur Infrastruktur – nichts schien er auslassen zu wollen.
Das Ende der Rede kam ziemlich unvermittelt, um nicht zu sagen überraschend. Denn es fehlte eine Überleitung zum Schluss, ein Fazit oder eine kurze Zusammenfassung.

Eine weitere Schwäche der Rede: Der Präsident verwendete häufig einen gespreizten Nominalstil. Er fand nie in einen Erzählton, sondern blieb in seinem Vortrag distanziert, sogar dann,  wenn er humorvolle Bemerkungen einflocht. Weite Teile seiner Rede las er vom Manuskript ab.

Wie hätte man von Seiten der Organisatoren dem Redner und dem Publikum die Aufgabe einfacher machen können? Indem man einen professionellen Moderator engagiert hätte. Dieser hätte Pflichtaufgaben wie Dankes- und Begrüßungsworte übernehmen und den Hauptredner anmoderieren können. Er hätte den Videoclip zum Thema Ausbildung in die Veranstaltung einbinden und auch zur Ehrung überleiten können. Der Hauptredner wäre durch den Moderator entlastet worden. Der Präsident hätte leichter einen Erzählfaden für seine Rede finden können.  Für das Publikum wäre die Veranstaltung interessanter und abwechslungsreicher geworden.

Sicher: Ein Moderator hätte das Budget der Veranstaltung zusätzlich  belastet. Aber es hätte sich gelohnt. Der offizielle Teil wäre mit ihm sicher von ähnlich hoher Qualität gewesen wie das anschließende warme Büfett.

Copyright: Martin Bernhard,  www.diefeder.de

Redenschreiber-'Tipps

Redenschreiber oder besser Ghostwriter?

Vorsicht mit Fremdwörtern und Anglizismen

Kürzlich überarbeitete ich als Redenschreiber eine Rede, in der der Autor das Wort „Commitment“ verwendete. Nun mag es englische Wörter geben, die sich nicht ohne Sinn- oder Bedeutungsverlust ins Deutsche übertragen lassen. Solche Begriffe lasse ich stehen, sofern die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das Publikum diese auch wirklich versteht. Das Wort „Commitment“ gehört allerdings nicht zu diesen Wörtern. Ich übersetzte es aus dem Sinnzusammenhang heraus mit „Bereitschaft“. Danach schaute ich in einem Online-Wörterbuch nach, wie man es korrekt übersetzt, und fand 20 teilweise sehr verschiedene Bedeutungen. Die von mir gewählte fand ich nicht darunter, allerdings die eine oder andere, die ihr sehr nahe kamen.

Gefahr eines geistigen Hürdenlaufs

Der Zuhörer einer Rede hat nicht wie ein Redenschreiber die Zeit und Möglichkeit, in einem Wörterbuch nachzuschauen oder sich lange Gedanken über ein Wort oder einen Begriff  zu machen. Er versteht das Wort oder meint, es richtig zu verstehen. Oder er muss mit der Verständnislücke zurechtkommen. Die Gefahr ist auf jeden Fall groß, dass das Fremdwort oder der Fachbegriff für den Zuhörer zu einer kleinen Hürde in der Rede wird. Und verwendet man als Redner oder Redenschreiber viele Fremdwörter, wird aus einer Rede für die Zuhörer sehr rasch ein geistiger Hürdenlauf.

Muttersprache verfügt über mehr Emotionen

Doch selbst wenn die Zuhörer Ihrer Rede mit den von Ihnen verwendeten Fremdwörtern vertraut sind: Mit ihrem Gebrauch verliert Ihr  Vortrag an emotionaler Tiefe. Wir sind mit unserer Muttersprache aufgewachsen. Sie vermittelt uns nicht nur Sinn und Bedeutung. Mit ihr verbinden wir Empfindungen und Erfahrungen. „Weihnachten“ fühlt sich eben anders an als „Christmas“, „Zeitlupe“ erzeugt wesentlich stärkere Bilder als „Slow motion“. „Abverkauf“ wird besser verstanden als „Sale“.
Hat man die Wahl zwischen einem deutschen und einem ausländischen Wort, ist im deutschsprachigen Raum das deutsche Wort immer das stärkere.

Copyright: Redenschreiber Martin Bernhard, www.diefeder.de

 

Wenn Redner nur mögen, wenn sie dürfen

Wie Floskeln eine Rede verwässern

„Mögen hätte ich schon wollen, nur dürfen habe ich mich nicht getraut.“ Der Komiker Karl Valentin bringt auf den Punkt, was wohl landauf, landab viele Redner betrifft. Sie mögen und dürfen, aber sie machen nichts. Sie wollen wohl, aber sie trauen sich nicht.
Wie oft haben Sie zum Beispiel schon gehört: „Ich möchte nun unseren Bürgermeister begrüßen.“ Oder: „Ich darf Sie herzlich willkommen heißen!“ Oder: „Ich will mich ganz besonders bedanken bei …“.

Mit Höflichkeit hat das nichts mehr zu tun, eher mit übertriebener Zurückhaltung.  Der Redner schwächt mit Ausdrücken wie „mögen, „wollen“  und  „dürfen“  seine beabsichtigte Aussage ab. Er strahlt Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen aus.

An seinem Geburtstag sagt man  , wenn man Geschenke entgegennimmt, ja auch nicht: „Ich möchte mich ganz herzlich bei Dir für das Geschenk bedanken.“ Oder: „Ich darf Dich recht herzlich bei mir willkommen heißen!“

Seien Sie in Ihrer Rede klar, freundlich und verbindlich

Sprechen Sie also besser folgendermaßen: „Herzlich Willkommen! Ich freue mich, dass Sie hier sind!“ Oder: „Ich begrüße ganz herzlich unseren Bürgermeister!“ Oder: „Vielen Dank Ihnen, lieber  …“.
Klare Ausdrucksweise, freundlich und verbindlich: Ihr Publikum wird es Ihnen danken.

 

 

Wie ein Redenschreiber arbeitet

Wie Redenschreiber anderen die Worte in den Mund legen

Wie ein Schreiner, ein Fliesenleger, ein Bankkaufmann arbeiten, das können sich die meisten Leute vorstellen. Aber ein Redenschreiber? Einer, der anderen die Worte sozusagen in den Mund legt? Wenn man mich nach meiner Arbeitsweise fragt, wird korrekterweise angeführt, dass ein Redner über ein spezifisches Temperament, einen für ihn typischen Humor und über eine für ihn charakteristische Sprache verfüge. Wie kann man als Redenschreiber all dies berücksichtigen?

Checkliste mit Fragen

Grundsätzlich wäre es natürlich hilfreich, wenn der Redenschreiber den Auftraggeber persönlich kennen würde, ihn zumindest ein Mal treffen könnte. Doch das ist leider meist nicht möglich. Oft erteilen Redner ihre Aufträge relativ kurzfristig. Außerdem scheuen sie die Kosten, die durch ein persönliches Treffen entstehen würden.  Deshalb tauschen sich Auftraggeber und Redenschreiber meist über Telefon und E-Mail aus. Ich verfüge über eine Checkliste an Fragen, die ich dem Auftraggeber zuschicke oder telefonisch kläre. Darin geht es zum Beispiel um die Redesituation, die Stellung des Redners, sein Publikum, seine Absichten und Ziele. Außerdem interessiert mich, welche Reden berühmter Persönlichkeiten dem Auftraggeber zusagen und welche nicht. So kann ich mir einigermaßen ein Bild von meinem Auftraggeber machen. Und ganz wichtig: Ich suche mit dem Auftraggeber nach Geschichten, Anekdoten, Episoden, die man in die Rede einbauen könnte. Auf diese Weise wird die Rede anschaulicher und emotionaler.

Wie aus der „Schreibe“ eine Rede wird

Dann verfasse ich die Rede und arbeite sie so lange um, bis der Auftraggeber zufrieden ist. Doch auch dann ist die Rede noch keine Rede, sondern eine „Schreibe“. Der Redner sollte den Text seinem Sprachduktus anpassen. Außerdem sollte er möglichst frei vom Manuskript vortragen. Das bedeutet für ihn: Üben, üben, üben!