Kategorie-Archiv: Grußwort

authentsich reden ohne Zitat

Authentisch reden ohne Zitate

Zitate in einer Rede – Segen oder Fluch?

Ein Mensch darf, soll, muss eine Rede halten. Was tut er? Er geht ins Internet und sucht nach  Zitaten. Und dort wird er fündig. Dort wird jeder fündig. Doch wird man so authentisch reden? Die Kunst liegt darin, das richtige, das passende Zitat auszuwählen und es elegant in seine Rede einzuarbeiten.
Weil inzwischen nahezu jeder einen Zugang zum Internet hat, gleichen sich die Feld-, Wald- und Wiesen-Reden bei Eröffnungen, Begrüßungen oder Feiern immer mehr: Zitat – Begrüßung – Zitat – Blabla – Zitat – Ende.
Früher, vor den Zeiten des Internets, mag es ein Zeichen von Bildung gewesen sein, wenn man ein kluges Zitat in einer Rede verwendete. Heute kommt es vor, dass der Redner nach einem schönen Bonmot den Namen des fremdländischen Autors falsch ausspricht, wie unlängst bei einer Konzerteröffnung geschehen: Der Redner wählte für den fanzösischen Autor Victor Hugo die Aussprache des beliebten Holundersekt-Getränkes.

Authentisch reden

Ich appelliere ich an Sie: Halten Sie doch einfach mal wieder eine Rede ohne Zitate! Gut, Sie müssen sich dann selbst etwas einfallen lassen.  Sie können in diesem Fall nicht einfach den Gedanken eines Zitatgebers weiterentwickeln.  Sie müssen selbst kreativ und witzig sein.
Doch wenn Sie Ihre Sache gut machen, werden Sie eine viel authentischere  Rede halten, die Ihren Zuhörern in Erinnerung bleiben wird. Eben weil sie nicht nach „Schema F“ aufgebaut ist. Weil Sie vielleicht auch ein Stück Ihrer Persönlichkeit preisgegeben haben.

Sechs Tipps für die Verwendung von Zitaten

Falls Sie Ihre Rede mit einem Zitat aufwerten wollen, hier sechs Tipps, die Sie dabei beherzigen sollten:

  1. Das Zitat muss zu Ihnen passen. Es muss in Ihnen etwas auslösen. Sie müssen es richtig gut finden.
  2. Falls Sie Ihre Reden nicht komplett frei halten: Das Zitat sollten Sie auswendig vortragen. Sie erreichen damit Ihr Publikum besser.
  3. Zitate sollten kurz und prägnant sein. Vermeiden Sie „Vorlesestunden!“
  4. Vermeiden Sie zu viele Zitate! Ein Zitat sollte die Sahnekirsche in Ihrer Rede sein. In längeren Reden können Sie auch mehrere verwenden. Aber wie gesagt: Gehen Sie sparsam mit Zitaten um!
  5. Nennen Sie immer den Zitatgeber. Dabei können Sie variieren, zum Beispiel: „Wie XY sagte …“ oder „Nach den Worten von XY“ .
  6. Fragen Sie sich vor Verwendung eines Zitats immer: Könnte ich dasselbe ohne Zitat genauso gut oder besser, dafür authentischer sagen?

Authentisch reden geht übrigens sehr gut oder vielleicht sogar besser ohne Zitate. Martin Luther King beweist dies eindrucksvoll mit seiner Rede „I have a dream“ (https://usa.usembassy.de/etexts/soc/traum.htm).  Oder Steve Job in seiner Rede an der Stanford-University (https://www.youtube.com/watch?v=DpMwWaxoI4Y).

Weitere Infos unter Redenschreiberportal 

 

 

 

 

Langweiliges Grußwort

Vorsicht, Grußwort-Marathon!

Neue Trendsportart: Grußwort-Marathon

Vielleicht werden auch Sie von Zeit zu Zeit zur Teilnahme an der neuen Trendsportart für Honoratioren und Funktionsträger verpflichtet? Ich meine damit die immer mehr um sich greifenden Grußwort-Marathons. Diese Wettbewerbe werden mit großem Eifer vor allem von öffentlichen Einrichtungen veranstaltet,  zum Beispiel von Kommunen und Wirtschaftskammern. Da es eine Ehre darstellt, sich an einem solchen Rede-Marathon zu beteiligen, kann man sich diesem kaum entziehen.  Leidtragender solcher Wettbewerbe ist das Publikum. Die  sogenannte „Abstimmung mit den Füßen“, also das vorzeitige Sich-Entfernen vom Veranstaltungsort, ist meist nicht möglich. Denn man ist vielleicht beruflich zur Teilnahme verpflichtet, man bleibt aus Höflichkeit, will möglicherweise nach dem offiziellen Teil netzwerken oder man hat Hunger. Denn das Beste, also das Buffet, kommt zum Schluss.
Wenn dann –  wie jetzt – noch  Temperaturen von mehr als 30 Grad hinzukommen, wird die Sache für den Redner eines Grußworts nicht unbedingt einfacher, vor allem wenn er nicht zu den ersten gehört, die sprechen, sondern vielleicht Redner Nummer 23 ist.  Die Zuhörerschaft ist dann schon zu einer schweißtriefenden, nach Luft japsenden Masse mutiert und applaudiert auch dann nur müde,  wenn man als Redner eine rhetorische Glanzleistung abgeliefert hat.

Muss es unbedingt ein Grußwort sein?

Was also tun?
In der Regel können Sie als Grußwortredner keinen Einfluss auf das Format der Veranstaltung nehmen. Falls doch, könnten Sie den Veranstalter fragen: Müssen es immer Grußworte sein? Müssen es immer so viele Grußworte sein? Haben Sie auch an das Publikum gedacht? Oder geht es Ihnen in erster Linie darum, sich bei wichtigen Persönlichkeiten beliebt zu machen, indem Sie diesen ein öffentliches Forum bieten?
Statt vieler Reden und Grußworte könnte man Inhalte auch unterhaltsamer vermitteln, zum Beispiel durch ein Interview, einen gut gemachten, nicht zu langen Videobeitrag, durch humorvolle und originelle Beiträge, wenn dies der Anlass zulässt.

Grußwort einmal anders

Da Sie aber in der Regel den Ablauf der Veranstaltung nicht beeinflussen können, sollten Sie nach einer anderen Lösung suchen. Lassen Sie sich zunächst das geplante Programm der Veranstaltung geben. Vielleicht ist es möglich, aus zwei Grußworten eines zu machen. Versuchen Sie, sich mit einem weiteren eingeladenen Redner darauf zu einigen, dass nur einer von Ihnen beiden  in Ihrer beider Namen spricht.  Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel, betreibt dieses von ihm „Grußwort-Sharing“ genannte Verfahren seit Jahren schon  sehr erfolgreich. (Siehe auch http://redenschreiber-tipps.de/aus-der-werkstatt-eines-viel-redners/)
Oder Sie treten zu zweit auf die Bühne, also mit einem weiteren vorgesehenen Grußwortredner. Oder Sie bringen einen ungewöhnlichen Gegenstand mit, auf den Sie sich in Ihrer Rede beziehen. Für jede erlaubte Abweichung von der Norm wird Ihnen das Publikum dankbar sein.  Lassen Sie sich etwas einfallen!
Bei aller Kreativität steht an oberster Stelle: Fassen Sie sich kurz! Reden Sie prägnant, authentisch und pointiert. Und zeigen Sie auf diese Weise ein Herz für Ihr Publikum! Denn dessen Wohl sollte eigentlich im Mittelpunkt stehen, oder nicht?
Mehr unter http://www.diefeder.de/leistungen/redenschreiberportal/
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