Archiv für den Monat: Juli 2017

authentsich reden ohne Zitat

Authentisch reden ohne Zitate

Zitate in einer Rede – Segen oder Fluch?

Ein Mensch darf, soll, muss eine Rede halten. Was tut er? Er geht ins Internet und sucht nach  Zitaten. Und dort wird er fündig. Dort wird jeder fündig. Doch wird man so authentisch reden? Die Kunst liegt darin, das richtige, das passende Zitat auszuwählen und es elegant in seine Rede einzuarbeiten.
Weil inzwischen nahezu jeder einen Zugang zum Internet hat, gleichen sich die Feld-, Wald- und Wiesen-Reden bei Eröffnungen, Begrüßungen oder Feiern immer mehr: Zitat – Begrüßung – Zitat – Blabla – Zitat – Ende.
Früher, vor den Zeiten des Internets, mag es ein Zeichen von Bildung gewesen sein, wenn man ein kluges Zitat in einer Rede verwendete. Heute kommt es vor, dass der Redner nach einem schönen Bonmot den Namen des fremdländischen Autors falsch ausspricht, wie unlängst bei einer Konzerteröffnung geschehen: Der Redner wählte für den fanzösischen Autor Victor Hugo die Aussprache des beliebten Holundersekt-Getränkes.

Authentisch reden

Ich appelliere ich an Sie: Halten Sie doch einfach mal wieder eine Rede ohne Zitate! Gut, Sie müssen sich dann selbst etwas einfallen lassen.  Sie können in diesem Fall nicht einfach den Gedanken eines Zitatgebers weiterentwickeln.  Sie müssen selbst kreativ und witzig sein.
Doch wenn Sie Ihre Sache gut machen, werden Sie eine viel authentischere  Rede halten, die Ihren Zuhörern in Erinnerung bleiben wird. Eben weil sie nicht nach „Schema F“ aufgebaut ist. Weil Sie vielleicht auch ein Stück Ihrer Persönlichkeit preisgegeben haben.

Sechs Tipps für die Verwendung von Zitaten

Falls Sie Ihre Rede mit einem Zitat aufwerten wollen, hier sechs Tipps, die Sie dabei beherzigen sollten:

  1. Das Zitat muss zu Ihnen passen. Es muss in Ihnen etwas auslösen. Sie müssen es richtig gut finden.
  2. Falls Sie Ihre Reden nicht komplett frei halten: Das Zitat sollten Sie auswendig vortragen. Sie erreichen damit Ihr Publikum besser.
  3. Zitate sollten kurz und prägnant sein. Vermeiden Sie „Vorlesestunden!“
  4. Vermeiden Sie zu viele Zitate! Ein Zitat sollte die Sahnekirsche in Ihrer Rede sein. In längeren Reden können Sie auch mehrere verwenden. Aber wie gesagt: Gehen Sie sparsam mit Zitaten um!
  5. Nennen Sie immer den Zitatgeber. Dabei können Sie variieren, zum Beispiel: „Wie XY sagte …“ oder „Nach den Worten von XY“ .
  6. Fragen Sie sich vor Verwendung eines Zitats immer: Könnte ich dasselbe ohne Zitat genauso gut oder besser, dafür authentischer sagen?

Authentisch reden geht übrigens sehr gut oder vielleicht sogar besser ohne Zitate. Martin Luther King beweist dies eindrucksvoll mit seiner Rede „I have a dream“ (https://usa.usembassy.de/etexts/soc/traum.htm).  Oder Steve Job in seiner Rede an der Stanford-University (https://www.youtube.com/watch?v=DpMwWaxoI4Y).

Weitere Infos unter Redenschreiberportal 

 

 

 

 

Zitat: Fluch des Osho

Zitat mit Bumerang-Effekt

Der Fluch des Osho traf kürzlich eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Diese Dame hatte zu ihrer feierlichen Verabschiedung in den Ruhestand eingeladen und auf der Einladungskarte folgendes Zitat verwendet: „Fange an, diesen Moment zu leben, und du wirst sehen, je mehr du lebst, desto weniger Probleme wird es geben“.
Passt eigentlich ganz gut zu einer Person, die in den Ruhestand wechselt, oder nicht? Die Dame  hatte es allerdings versäumt, den Autor des Zitats anzugeben. Und sie hat es versäumt, sich über diese Person zu informieren.

Der Fluch des Osho

Genau das tat ein Festredner, der vor Jahren als Staatsanwalt gearbeitet hatte. Zu dessen zweiter Natur scheint es geworden zu sein, Ermittlungen aufzunehmen. Und er fand folgendes heraus:
Das  Zitat stammt von einem gewissen Osho. Dieser  war der berühmt-berüchtigte Bhagwan von Poona, der als „Sex-Guru“ bekannt war. Er soll ganze Heerscharen Entrückter in den Ashram gezogen haben, um dort mit wechselnden Partnerinnen und Partnern deren sexuelle Blockaden zu lösen.  „So gesehen bekommt der Satz ,Fange an, diesen Moment zu leben, und du wirst sehen, je mehr du lebst, desto weniger Probleme wird es geben‘  eine ganz eigene Bedeutung“, stellte der Redner fest.  Zur Erheiterung des Publikums tauchte dieser Osho immer wieder in der Ansprache auf. Die Verursacherin dieser Heiterkeit – jene Dame, die in den Ruhestand verabschiedet wurde –  lachte tüchtig mit, versprach später aber, nie wieder ein Zitat ungeprüft zu verwenden. (siehe: FN-Artikel)

Der „Fluch des Osho“ kann jeden treffen, der unbedacht mit Zitaten umgeht, auch wenn man die Quelle angibt. Denn Wahrheit und Weisheit eines Ausspruchs spielen kaum eine Rolle mehr, wenn der Zitatautor nicht unbescholten ist oder nicht zu dem Umfeld passt, in dem sein Ausspruch verwendet wird.

Zitat als rhetorisches Stilmittel

Man muss nicht gleich Hitler oder Stalin zitieren, um danebenzuliegen. Ein ernsthaft zitierter Ausspruch von Franz Josef Strauß kommt vor einem politisch links stehenden Publikum sicher ähnlich schlecht an wie ein Zitat von Rosa Luxemburg in rechten Kreisen. Es sei denn, man will provozieren. Oder den politischen Gegner vorführen. Dann setzt man ein solches Zitat allerdings ganz bewusst als ein rhetorisches Stilmittel ein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie von dem Fluch des Osho für alle Zeit verschont bleiben.
Copyright: www.diefeder.de

 

Geschichten erzählen

Geschichten erzählen, Gefühle wecken

Geschichten erzählen hilft, Ziele zu erreichen

Gute Redner sind gute Geschichtenerzähler. Indem Sie gute Geschichten erzählen  und dies auch noch auf eine gute Weise, lösen Sie Emotionen in Ihren Zuhörern aus. Diese hören gebannt zu und schenken Ihnen Ihre  volle Aufmerksamkeit. Denn die Menschen wollen wissen, wie es weitergeht. Am Ende der Rede behalten die Zuhörer Sie und Ihre Geschichte in guter Erinnerung. Und womöglich tun sie genau das, wozu Sie sie motivieren wollten. Sie kaufen etwas, ändern ihr Verhalten oder machen kostenlos Werbung für Sie. Und genau das ist es doch, was wir als Redner erreichen wollen, oder nicht?

Leider gibt es sehr viele negative Beispiele von Präsentatoren, die genau dies nicht schaffen. Denn ihr Vortrag ist mit Fakten überfrachtet. Die Präsentatoren, die ich bewusst nicht als Redner bezeichne, zeigen mit  der Software Powerpoint Schaubilder, Tabellen und Textwüsten. Sie dozieren wie ein Professor alter Schule in einem Pro-Seminar.  Am Ende haben sie womöglich ihr Publikum bestens ausgebildet, wenn es denn zugehört und alles verstanden hätte. Aber außer einem artigen Applaus geschieht in der Regel nichts.

Zuerst die Geschichte, dann die Fakten

Albert Brückmann aus Mosbach, www.albertbrueckmann.de, hat bei seiner Präsentation alles richtig gemacht. Er stellte  kürzlich sein Startup-Unternehmen „Meminto“ vor. Dabei handelt es sich um ein digitales Werkzeug für PC und Smartphone. Damit kann man zu Lebzeiten sicherstellen , dass die Nachkommen über den hinterlassenen  digitalen Nachlass verfügen können. Dabei geht es nicht nur um Passwörter für Internetportale, sondern auch um Fotos und Videos, die in der Cloud hinterlegt sind. Ein wertvoller Schatz der Erinnerung!

Albert Brückmann hätte nun über die technischen Feinheiten seines Programms informieren können. Er hätte dessen Funktionsweise beschreiben, durch die Menüsteuerung führen können. Er hätte Statistiken präsentieren können über hinterlassenen Datenmüll im Internet. Er hätte über den Stand der Forschung zu diesem Thema sprechen und seine Ausführungen mit Schaubildern und Tortengraphiken untermauern können. Doch all das tat er nicht.

Er erzählte eine Geschichte.

Die Geschichte über eine Uhr, die nur in sehr kleiner Stückzahl hergestellt wird und deshalb sehr viel Geld kostet. Eine Uhr, die man kauft, um sie zu vererben. Ein Erinnerungsstück für den Sohn, wenn der Vater tot ist, für den Enkel, für den Urenkel. Ein Gegenstand, der den Verstorbenen über Jahre begleitet hat, den er immer getragen hat. Kann es ein emotionaleres Erinnerungsstück an einen geliebten Menschen geben? Man spürte: Die Zuhörer waren berührt. Ich denke, jeder fragte sich: Was hat das mit Meminto, was hat das mit mir zu tun?

Dieser Brückenschlag gelang Albert Brückmann auf perfekte Weise. Denn ähnlich wie bei dieser wertvollen Uhr verbinden wir alle wertvolle Erinnerungen an einen geliebten Menschen mit Bildern aus glücklichen Tagen. Und diese Fotos und Videos liegen zunehmend digital vor, oft in Portalen und in der Cloud. Und damit all das nicht verlorengeht, dafür gibt es Meminto.

MIt diesem Einstieg hatte Albert Brückmann das Publikum für sich gewonnen und sein Interesse geweckt. Jetzt wollten es die Zuhörer genauer wisssen: Wie funktioniert das? Was kostet das? Was kann man damit machen? Über Emotionen weckt man Interesse. Über das Gefühl erhält man Zugang zum Verstand seiner Zuhörer.  Und nicht umgekehrt. Wann werden also auch Sie nicht mehr präsentieren, sondern Geschichten erzählen?
Siehe auch: Redenschreiberportal