Dr. Achim Brötel

Aus der Werkstatt eines Viel-Redners

Dr. Achim Brötel bezeichnet sich zuweilen als Wanderprediger, der dafür sorgt, dass die Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis sich ausreichend gegrüßt fühlen. Seine mehr als 200 Grußworte im Jahr sind zuweilen humorvoller als manche Büttenrede an Fastnacht. Ein Gespräch mit einem Dauerredner, der nebenher auch noch Landrat der Neckar-Odenwlad-Kreises ist.

Herr Dr. Brötel, wie viele Büttenreden halten Sie eigentlich im Jahr?

Büttenreden im Grunde gar keine. Zumindest verstehe ich mich außerhalb der Faschenacht nicht so. Richtig ist aber schon, dass ich es einfach etwas anders zu machen versuche. Mich selbst stört es kolossal, wenn irgendwo Reden völlig emotionslos und dann womöglich auch noch ohne erkennbare inhaltliche Substanz gehalten werden. Deshalb gebe ich schon beim Tempo ganz bewusst Gas, obwohl ich weiß, dass manche beim Zuhören dadurch Probleme bekommen. Eine ältere Dame hat bei einem Altennachmittag einmal so goldig zu mir gesagt: „Sie hebbe wirklich ganz toll gsproche, Herr Landrat – bloß verstanne hab ich Sie net“. Ich will aber in der Tat erreichen, dass die Leute aufpassen.

Ihre Grußworte zeichnen sich durch großen Humor aus. Woher nehmen Sie die Witze und Anekdoten?

Ich bin Jäger und Sammler. Oft schnappe ich irgendetwas auf. Man muss das Rad ja nicht jeden Tag neu erfinden. Allerdings kann ich mir bei der Fülle von Themen und Kontakten, die permanent auf mich einprasseln, vieles leider nicht auswendig merken. Deshalb habe ich immer ein kleines Blöckchen und einen Stift mit dabei. Schließlich bin ich ja auch keine 50 mehr …. Dann lese ich für mein Leben gern. Auch dabei findet sich oft etwas. Im Übrigen ist aber natürlich das Internet ebenfalls eine sehr ergiebige Quelle. Und: Manches kann man ruhig auch noch etwas weiter ausschmücken. Ich schreibe ja Grußworte und Gottseidank keine Doktorarbeit mehr.

Wie stellen Sie sicher, dass Sie denselben Witz nicht vor dem gleichen Publikum ein zweites Mal erzählen?

Für manche wäre es vielleicht sogar hilfreich, wenn ich ihn zum zweiten Mal erzählen würde, damit sie ihn wenigstens dann verstehen. Nein, aber im Ernst: Natürlich wiederholen sich auch bei mir manche Dinge. Das ist doch völlig normal. Viele Zuhörer merken das aber entweder nicht oder sind zumindest so höflich, mich nicht ausdrücklich darauf hinzuweisen. Letzteres hat bisher nur ein guter Freund aus dem Rotweindorf Waldhausen fertig gebracht, dort allerdings auf offener Bühne. Aber: Er hat ja Recht gehabt. Grundsätzlich versuche ich jedoch schon, möglichst vieles zu variieren.

Sie treten zwar mit Manuskript ans Rednerpult. Ihre Grußworte klingen dennoch nicht abgelesen. Wie machen Sie das?

Das ist ganz eigenartig. Ich habe früher ja auch 13 Jahre lang mit der BCH-Combo Tanzmusik gemacht. Wenn ich da keinen Notenständer und meine Mappe vor mir gehabt habe, war ich total unsicher. Hineingeschaut habe ich im Grunde aber nie. Das gibt einfach ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Es ist beruhigend, dass man zur Not etwas hat, auf das man zurückgreifen kann. So ähnlich ist das mit Redemanuskripten auch. Ablesen tue ich nie. Für mich ist das eher so etwas wie eine Rückfallebene. Ein roter Faden, den man aus dem Augenwinkel heraus im Blick behalten kann. Es muss aber auf jeden Fall auch noch genügend Raum für Spontaneität sein. Deshalb gibt es kaum eine Rede, die ich tatsächlich so halte, wie ich sie ursprünglich einmal vorbereitet hatte.

Wann und wo schreiben Sie Ihre Grußworte?

Fast ausschließlich zuhause. Im Dienst geht so etwas gar nicht. Da ich unter präseniler Bettflucht leide und schon seit 28 Jahren werktags immer um 4.30 Uhr aufstehe, ist diese Frühschicht mehr und mehr zu meiner Grußwortschmiede geworden. Eine schöne Tasse Kaffee, ein kuschelig warmes Arbeitszimmer und ringsherum himmlische Ruhe – das ist das Umfeld, in dem ich am besten kreativ sein kann.

Sie bezeichnen sich gern als leidenschaftlicher Grußwortredner. Als Journalist ist man eher leidgeprüfter Grußworthörer. Wie kann man sich als Zuhörer am besten auf einen Grußwort-Marathon vorbereiten?

Es ist richtig, dass ich damit oft kokettiere. Im Grunde denke ich aber völlig anders über das Ganze. Grußworte sind eigentlich ein überholter Zopf, den man dringend abschneiden müsste. Ich wundere mich eh über die Leidensfähigkeit vieler Zuhörerinnen und Zuhörer, die das zumeist klaglos ertragen, was ihnen da geboten wird. Weniger wäre jedenfalls auch hier mit Sicherheit mehr. Ich habe einmal ganz bewusst nachgezählt. Allein im letzten Jahr waren es weit über 200 Grußworte, die ich halten musste. Wenn man sich darauf gezielt vorbereitet, so wie ich es immer tue, macht das ganz nebenbei auch eine Menge Arbeit. Ich würde das deshalb wirklich gerne reduzieren und hätte überhaupt kein Problem damit, bei zahlreichen Veranstaltungen sogar ganz auf Grußworte zu verzichten. Wenn ich die Hälfte der dadurch gewonnenen Zeit in konzeptionelles Nachdenken und die andere Hälfte in etwas mehr Freizeit investieren könnte, wäre das für mich wirklich ein Segen. Ich finde deshalb, dass wir dringend über neue Veranstaltungsformate nachdenken müssen. Nur weil etwas immer so war, heißt es nicht, dass es auch morgen und übermorgen noch so sein muss.

Zum Schluss eine Bitte: Hätten Sie ein kurzes Grußwort für unsere Leser? Aber wirklich ein ganz kurzes!

Das ist für einen Buchener in dieser Jahreszeit natürlich ein Leichtes: Hinne Houch! Damit ist alles gesagt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Präsentation

Virusalarm für Redner und Präsentatoren

Ein Virus grassiert im Land. Fast alle leiden darunter, und das sehr geduldig. An Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen wird es sogar mit Eifer verbreitet. Kürzlich haben Forscher herausgefunden, dass das Virus nicht nur schläfrig macht, sondern dumm (Siehe FAZ). Doch die Mediziner bleiben untätig. Pädagogen und Erwachsenenbildner verhalten sich gleichgültig oder tragen zur Verbreitung dieses Virus‘ sogar bei. Vielleicht liegt das an seinem Namen, der Macht und Einfluss suggeriert: Powerpoint.

VW verbietet Powerpoint

Doch allmählich regt sich Widerstand. Einzelne Unternehmen verbieten Powerpoint, darunter auch der Weltkonzern VW. „Less paper, more pepper“, fordert Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn und spricht sich damit für inhaltsreichere Präsentationen aus.
In der Schweiz hat sich sogar eine Anti-Powerpoint-Partei gegründet. Als diplomierter Geschichtenerzähler stimme ich der Argumentation des Parteigründers voll und ganz zu. Wem wurde  schon mal eine gute Geschichte mit Powerpoint erzählt?  Wer ohne Powerpoint präsentiert, erzielt mehr Wirkung. Er ist seinem Publikum näher. Er kann besser Emotionen vermitteln. Der Präsentator steht im Mittelpunkt und nicht die Präsentation. Er ist authentischer.

Ok – manchmal ist Powerpoint ganz praktisch. Zum Beispiel, wenn man bunte Bilder an die Wand werfen oder einen Videoclip zeigen will. Animationen lassen sich mit dieser Software recht leicht erstellen. Doch wehe dem, der sein Publikum mit Unmengen von Folien zutextet! Der darf sich hinterher nicht beschweren, dass die Menschen immer dümmer werden!

Meine Tipps für alle, die eine Präsentation halten dürfen:

  • Überlegen Sie sich zu Beginn, was Sie mit Ihrer Präsentation erreichen möchten.
  • Finden Sie Bilder, stimmige Metapher  und Geschichten, die Ihr Redethema verständlich und konkret machen. Aber Achtung: Eine Metapher oder eine Geschichte reicht in der Regel. Zu viele unterschiedliche Vergleiche und Bilder können verwirren.
  • Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Details können Sie als Skript nachreichen.
  • Versuchen Sie auch bei ernsten Themen Ihren Vortrag mit Humor aufzulockern.
  • Fassen Sie sich kurz.
  • Sprechen Sie möglichst frei. Setzen Sie zum Beispiel Karteikärtchen als Gedächtnisstütze ein.
  • Verzichten Sie auf ein Rednerpult. Sie wirken dann lockerer und sind ihrem Publikum näher.

 

 

Rednerpult

Rednerpult: Wie man damit umgehen sollte

Rednerpulte gibt es wie Sand am Meer – in klassischem oder modernen Design, eher schlicht oder voluminös. Wenn Sie sich die vielen Angebote allein im Internet ansehen, dann könnten Sie den Eindruck gewinnen, ein Rednerpult ist das „must have“ für den erfolgreichen Redner. Schließlich sind die Dinge so praktisch:

  • Sie können Ihr Redemanuskript ablegen
  • Sie haben Platz für Ihr Glas Wasser und die dazugehörige Flasche
  • Wenn der Saal abgedunkelt ist, haben Sie eine kleine Leselampe, damit Sie Ihren Text immer noch finden
  • Sie können sich dahinter verstecken
  • Sie können sich daran festhalten

Finden Sie nicht auch, dass alleine diese Vorteile ausreichen, um ein Rednerpult zu nutzen?
Okay, Spaß beiseite! Sie haben es sicher gemerkt: Ich halte nicht viel von Rednerpulten. Warum?
Rednerpulte sind wie ein Klotz am Bein. Und ein Klotz am Bein behindert uns unnötigerweise.

Wollen Sie tatsächlich möglichst unsichtbar sein?

Ich nehme jetzt mal nicht an, dass Ihr Vortragsziel lautet, möglichst einen unscheinbaren Eindruck zu hinterlassen und sich möglichst gut zu verstecken. Falls dem so ist, dann ist ein Rednerpult genau das Richtige für Sie. 😉
Nein, ernsthaft. Sie wollen doch mit Ihrem Vortrag etwas erreichen, Sie haben ein oder mehrere Ziele vor Augen.

Welche Ziele wollen Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?

Sie wollen Ihr Publikum inIhrem Sinne beeinflussen, es für sich und Ihr Anliegen gewinnen. Vielleicht gehören Sie sogar zu den enthusiastischen Rednern, die Ihr Publikum sogar begeisterten möchten?

Die grundsätzlichen Ziele eines Redners, egal welches Thema ansteht, sind doch Folgende:

  • Ihr Publikum soll Ihnen zuhören
  • Ihr Publikum soll Ihnen gedanklich zustimmen
  • Ihr Publikum soll Ihrer Handlungsaufforderung, Ihrem „call to action“, nachkommen

Ihre Ziele, besonders das Letztere, erreichen Sie aber nur, wenn Sie Ihre „Hausaufgaben“ in Ihrer Rolle als Redner gemacht haben.

Füllen Sie Ihre Rolle als Redner wirklich aus!

Nur wenn Sie präsent sind, können Sie eine positive Beziehung zu Ihrem Publikum aufbauen. Nur wenn das Publikum Sie sympathisch findest, können Sie ein Gemeinschaftsgefühl hervorrufen und mit Ihren Argumenten überzeugen.Kurz, wenn Sie ein charismatischer Redner sind und souverän mit Ihrer Vortrags-Tätigkeit umgehen, dann erreichen Sie Ihr Publikum und Ihre Ziele.

Rednerpulte behindern, ja boykottieren Sie!

Durch ein Rednerpult werden Sie in Ihrer Ausstrahlung und in Ihrem Beziehungsaufbau behindert. Ja, ich weiß, es gibt umwerfende Redner, denen gelingt es trotz des störenden Rednerpults. Aber die sind leider eine Rarität. Es ist für uns „Teilzeit“-Redner schon genug Herausforderung, wenn wir das Publikum für uns gewinnen wollen. Wollen Sie es sich dann wirklich noch etwas schwer machen?

Was ist jetzt das wirklich Hinderliche am Rednerpult?

  • Sie halten keinen Blickkontakt zu Ihrem Publikum, wenn Sie den Text ablesen
  • Das Stehpult ist eine Barriere zwischen Ihnen und Ihrem Publikum. Wie wollen Sie da eine partnerschaftliche Beziehung auf Augenhöhe aufbauen?
  • Okay, falls Tomaten fliegen, können Sie sich dahinter verstecken, aber das passiert heutzutage doch eher selten.;-)
  • Wenn Sie auf einem Podium stehen, ist das bereits genug Abgrenzung, die Sie körpersprachlich und verbal zu überwinden haben. Da brauchen Sie nicht noch zusätzlich eine zweite Barriere mit dem Rednerpult.
  • Ein Rednerpult steht bei vielen Menschen als Synonym für langweilige einschläfernde Vorträge. Kein Mensch rechnet ernsthaft damit, einen lebendigen, interessanten, nützlichen Vortrag zu hören. Wollen Sie wirklich mit diesem schwerwiegenden Vorurteil Ihren Vortrag beginnen?
  • Charisma ist wie ein Heizstrahler, der sich ausbreitet und Ihr Publikum wärmt. Wollen Sie eine Mauer vor Ihrem Heizstrahler aufbauen?

Daher mein Rat: Ignorieren Sie das Rednerpult, verbannen Sie es in die rechte Ecke des Podiums und nutzen Sie Ihre Bühne!

Zur Autorin
Die Kommunikationstrainerin Christine Naber-Blaess M.A. ist Expertin für stressfreies Reden und BusinessTalk. Ihre Seminare drehen sich um die Themen souveräner und selbstsicherer Redeauftritt bei Vorträgen und wichtigen Gesprächen und sinnvoller Umgang mit Aufregung, Nervosität und Lampenfieber. Sie ist außerdem Autorin und betreibt die Blogs http://stressfrei-reden.de und http://stressfreie-akquise.de.  Ihr neues Buch “Souverän und sicher bei Akquise und Verkauf. Ein Trainingsbuch für Solo-Selbständige und Existenzgründer” ist vor einigen Wochen erschienen.

Redenschreiber - Bellvue

Lernen Sie aus einer unvergesslichen Rede

„Die beste Rede seines Lebens“

Ein Mann stirbt, und alle Welt erinnert sich an eine Rede, die er  vor fast 30 Jahren gehalten hat. Was ist das Besondere an der  Rede zum 8. Mai 1985 von Alt-Bundespräsident Richard  von Weizsäcker?
Natürlich ist da zum einen die Prominenz des Redners. Die Rede eines Staatsoberhaupts wird aufgrund seines Amtes mehr beachtet als die eines anderen Politikers oder Redners. Und da ist das Thema: Kriegsende, Kapitulation, Niederlage, Befreiung, jüngere deutsche Geschichte: Davon ist jeder Deutsche betroffen. Das Thema ist mit starken Emotionen besetzt. Und da ist  der Zeitpunkt: Der 8. Mai als 40. Jahrestags der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.

Doch ungeachtet dieser Rahmenbedingungen machte Richard von Weizsäcker auch vieles rhetorisch und sprachlich richtig. Er bediente sich einer klaren, allgemeinverständlichen Sprache. Er zeigte Mitgefühl mit den verschiedenen Opfergruppen. Er redete im Grund unspektakulär und ohne großes Pathos. Dadurch gelang es ihm in besonderem Maße, die Menschen auch emotional zu erreichen.

Rede ohne Redenschreiber

Friedbert Pflüger, Pressesprecher und Redenschreiber Weizsäckers während seiner Zeit als Bundespräsident, betonte in einem Spiegel-Interview aus dem Jahr 2010, dass die Rede nicht das Werk eines Redenschreibers war: „Es ist seine Rede, nicht die eines Redenschreibers“. Nach Pflügers Worten hat Weizsäcker mit seinen Mitarbeitern monatelang über diese Rede diskutiert. Letztlich fügt sich der Duktus der Rede in die Reihe aller Weizsäcker-Reden ein: klar, schnörkellos, verständlich und dort emotional, wo es passt. Nicht der Redner steht im Mittelpunkt, sondern die Rede beziehungsweise das Publikum, an das sie gerichtet ist.

Der Sprachwissenschaftler Josef Klein bezeichnet die Weizsäcker-Ansprache zum 8. Mai als „die beste seines Lebens.“ Unabhängig von ihrem Inhalt können auch heute noch Redenschreiber und Redner daran lernen, was eine gute Rede ausmacht:

  • Eine klare Botschaft
  • Eine verständliche Sprache
  • dosierter Einsatz von Emotionen
  • Richtiger Ort und richtiger Zeitpunkt.

Die Rede im Wortlaut hat Spiegel-Online ins Internet gestellt: Weizsäcker-Rede.

Copyright: Martin Bernhard, diefeder.de

 

 

Redenschreiber Applaus

Damit bei Humor keinem das Lachen vergeht

Humor lockert eine Rede auf

„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt“, hat Joachim Ringelnatz festgestellt. Humor in der Rede ist, ausgenommen in der Trauerrede, also grundsätzlich etwas Gutes. Bei ernsten Themen hilft auch Galgenhumor.
Humor lockert auf, entspannt das Publikum und macht es (wieder) aufnahmefähig für neue Botschaften. Immer wieder werde ich als Redenschreiber gebeten, eine lockere und humorvolle Rede zu verfassen. Doch Humor birgt auch Risiken. Denn auch Humor ist Geschmackssache.
Generell sollte man in seiner Rede anzügliche und derbe Witze vermeiden. Vorsicht auch mit Frauen- und Blondinenwitzen! Wenn man meint, solche in seine Rede einbauen zu müssen, bedarf es einer geschickten Einleitung, damit die Frauen im Publikum nicht mokiert sind, sondern auch darüber lachen können. Als  Redenschreiber gehe ich auch sorgfältig mit Politiker-Zitaten um, vor allem, wenn die Politiker noch aktiv sind. Denn zu leicht wird der Redner in eine Schublade gesteckt, in die er nicht hinein möchte.

Redenschreiber warnen vor dem Gebrauch von Ironie

Ein mir bekannter Kommunalpolitiker, den ich oft reden höre, pflegt, seine Anekdoten und Witze mehrfach zu verwenden. Im Prinzip spricht nichts dagegen, wenn das Publikum zumindest zum großen Teil nicht dasselbe ist. Da jedoch gerade im kommunalpolitischen Bereich viele Veranstaltungen hauptsächlich wegen der Presse sowie anderer Politiker und Honoratioren stattfinden, ist das nicht immer der Fall. Verständlich, dass die Zuhörer noch nicht einmal schmunzeln, wenn der Redner einen schon öfter von ihm vorgetragenen Witz erzählt. Als Redner sollte man mit dieser Nicht-Reaktion souverän umgehen. Die Situation wird nur peinlich, wenn man sie als Redner als peinlich empfindet.
Vorsicht mit Ironie! Nicht jeder versteht sie so, wie sie gemeint ist.

Trotz der kleinen Gefahren, die bei der Verwendung von Humor lauern: Eine Rede, auch eine ernste oder inhaltsschwere, soll die Menschen auch unterhalten. Und dafür ist Humor ein bewährtes Mittel.

Copyright: www.diefeder.de

 

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Lernen Sie von der Rede der Nobelpreisträgerin

Mit einer Rede berühren wie die Nobelpreisträgerin

„Malala berührt mit Dankesrede“ überschrieb die Neue Züricher Zeitung gestern einen Artikel über die Verleihung des Friedensnobelpreises an die 17-jährige Malala Yousafzai aus Pakistan. Der Verfasser berichtet von einer „leidenschaftlichen Rede“, die das Publikum „berührt“ habe.

Was machte die Rede der jüngsten Nobelpreisträgerin aller Zeiten leidenschaftlich? Lag es an ihrem Alter? An ihrer Unerfahrenheit? Sicher nicht. Auch wenn es möglicherweise ihrem Alter und ihrer Herkunft zuzuschreiben ist, dass sie viele Fehler vermied, die viele „sozialisierte“ Redner häufig machen.

Zeigen Sie Persönlichkeit

Nach dem Autor des Beitrags macht die junge Frau einige Dinge richtig, die jeder Redner beherzigen sollte: Sie wirkt menschlich, authentisch und persönlich, sie hat Humor und vertritt einen klaren Standpunkt. So nimmt sie sich humorvoll selbst auf die Schippe: „Ich bin ziemlich sicher, dass ich auch die erste Empfängerin des Friedensnobelpreises bin, die immer noch mit ihren jüngeren Brüdern streitet.“

Sie charakterisiert sich selbst und bezeichnet sich als „stur“, dies aber im positiven Sinn: stur darin, für alle Kinder eine gute Ausbildung, gleiche Rechte für Frauen und Frieden in jeder Ecke der Welt zu erreichen. Damit ist jedem im Saal klar, wofür sie steht.

Natürlich darf man bei der Wirkung ihrer Rede nicht außer Acht lassen, dass sie als Opfer eines Taliban-Anschlags und jüngste Nobelpreisträgerin eine besonders hohe Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Publikums genießt. Doch diese Tatsache allein würde sie nicht davor schützen, eine langweilige oder austauschbare Rede zu halten.  Davor ist letztlich niemand gefeit, der sich nicht an grundlegende Regeln der Rhetorik hält.

Was wir aus der Rede von Malala lernen können

Beherzigen Sie also folgende Regeln in Ihrer nächsten Rede:

  1. Seien Sie konkret statt abstrakt. Episoden aus dem wahren Leben berühren mehr als allgemeine Phrasen.
  2. Seien Sie persönlich. Geben Sie etwas von sich preis, vielleicht eine kleine Schwäche oder Leidenschaft.
  3. Vertreten Sie einen klaren Standpunkt in einer klaren, unmissverständlichen Sprache.
  4. Seien Sie authentisch und damit glaubwürdig.  Ihre Worte müssen zu Ihrer Persönlichkeit passen.

Copyright Martin Bernhard,  www.diefeder.de.

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Erfolgreicher mit Ihrer Rede zum Jahreswechsel

Wichtig: Ein guter Rede-Beginn als Eisbrecher

Kürzlich besuchte ich den Jahresschlussempfang einer IHK. Der Präsident war der einzige Redner. Er durfte begrüßen, die wirtschaftliche Situation beurteilen, einen Video in seine Rede einflechten, ein verdientes Mitglied ehren – eine Mammutaufgabe für einen Redner. Der Mann mag ein hervorragender Präsident und Manager sein – doch mit dieser sicher nicht leichten Aufgabe  war er etwas überfordert.

So fehlte seiner Rede ein richtiger Anfang. Der Mann fing einfach an zu begrüßen. So begrüßte er mehrere Minuten lang mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten, ganz ohne Ein- und Überleitung. Das Publikum blieb unruhig und unaufmerksam. Kein Wunder: Es fehlte der sogenannte „Eisbrecher“, mit dem man zu Beginn einen Kontakt, eine Beziehung zum Publikum herstellt und dessen Aufmerksamkeit gewinnt. Das kann eine nette Geschichte sein, ein persönliches Erlebnis, etwas Humorvolles. Hat man auf diese Weise die Aufmerksamkeit und die Zuneigung des Publikums gewonnen, kann man mit dem Hauptteil der Rede beginnen.

Geben Sie Ihrem Publikum zu Beginn einen Überblick über Ihre Rede

Da der Redner mit seinem Vortrag einen weiten Bogen spannte und viele verschiedene Themenbereiche ansprach, wäre es für die Zuhörer hilfreich gewesen, der Redner hätte zu Beginn einen Überblick über seine Rede gegeben. Dann hätte man sich im Verlauf der Rede besser orientieren können. So hatte man den Eindruck, der Redner arbeite verschiedene Pflichtbereiche einfach ab. Von der Bildungs- über die Steuerpolitik bis zur Infrastruktur – nichts schien er auslassen zu wollen.
Das Ende der Rede kam ziemlich unvermittelt, um nicht zu sagen überraschend. Denn es fehlte eine Überleitung zum Schluss, ein Fazit oder eine kurze Zusammenfassung.

Eine weitere Schwäche der Rede: Der Präsident verwendete häufig einen gespreizten Nominalstil. Er fand nie in einen Erzählton, sondern blieb in seinem Vortrag distanziert, sogar dann,  wenn er humorvolle Bemerkungen einflocht. Weite Teile seiner Rede las er vom Manuskript ab.

Wie hätte man von Seiten der Organisatoren dem Redner und dem Publikum die Aufgabe einfacher machen können? Indem man einen professionellen Moderator engagiert hätte. Dieser hätte Pflichtaufgaben wie Dankes- und Begrüßungsworte übernehmen und den Hauptredner anmoderieren können. Er hätte den Videoclip zum Thema Ausbildung in die Veranstaltung einbinden und auch zur Ehrung überleiten können. Der Hauptredner wäre durch den Moderator entlastet worden. Der Präsident hätte leichter einen Erzählfaden für seine Rede finden können.  Für das Publikum wäre die Veranstaltung interessanter und abwechslungsreicher geworden.

Sicher: Ein Moderator hätte das Budget der Veranstaltung zusätzlich  belastet. Aber es hätte sich gelohnt. Der offizielle Teil wäre mit ihm sicher von ähnlich hoher Qualität gewesen wie das anschließende warme Büfett.

Copyright: Martin Bernhard,  www.diefeder.de

Redenschreiber-'Tipps

Redenschreiber oder besser Ghostwriter?

Vorsicht mit Fremdwörtern und Anglizismen

Kürzlich überarbeitete ich als Redenschreiber eine Rede, in der der Autor das Wort „Commitment“ verwendete. Nun mag es englische Wörter geben, die sich nicht ohne Sinn- oder Bedeutungsverlust ins Deutsche übertragen lassen. Solche Begriffe lasse ich stehen, sofern die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das Publikum diese auch wirklich versteht. Das Wort „Commitment“ gehört allerdings nicht zu diesen Wörtern. Ich übersetzte es aus dem Sinnzusammenhang heraus mit „Bereitschaft“. Danach schaute ich in einem Online-Wörterbuch nach, wie man es korrekt übersetzt, und fand 20 teilweise sehr verschiedene Bedeutungen. Die von mir gewählte fand ich nicht darunter, allerdings die eine oder andere, die ihr sehr nahe kamen.

Gefahr eines geistigen Hürdenlaufs

Der Zuhörer einer Rede hat nicht wie ein Redenschreiber die Zeit und Möglichkeit, in einem Wörterbuch nachzuschauen oder sich lange Gedanken über ein Wort oder einen Begriff  zu machen. Er versteht das Wort oder meint, es richtig zu verstehen. Oder er muss mit der Verständnislücke zurechtkommen. Die Gefahr ist auf jeden Fall groß, dass das Fremdwort oder der Fachbegriff für den Zuhörer zu einer kleinen Hürde in der Rede wird. Und verwendet man als Redner oder Redenschreiber viele Fremdwörter, wird aus einer Rede für die Zuhörer sehr rasch ein geistiger Hürdenlauf.

Muttersprache verfügt über mehr Emotionen

Doch selbst wenn die Zuhörer Ihrer Rede mit den von Ihnen verwendeten Fremdwörtern vertraut sind: Mit ihrem Gebrauch verliert Ihr  Vortrag an emotionaler Tiefe. Wir sind mit unserer Muttersprache aufgewachsen. Sie vermittelt uns nicht nur Sinn und Bedeutung. Mit ihr verbinden wir Empfindungen und Erfahrungen. „Weihnachten“ fühlt sich eben anders an als „Christmas“, „Zeitlupe“ erzeugt wesentlich stärkere Bilder als „Slow motion“. „Abverkauf“ wird besser verstanden als „Sale“.
Hat man die Wahl zwischen einem deutschen und einem ausländischen Wort, ist im deutschsprachigen Raum das deutsche Wort immer das stärkere.

Copyright: Redenschreiber Martin Bernhard, www.diefeder.de

 

Begrüßung Redenschreiber-Tipps.de

Wenn Redner nur mögen, wenn sie dürfen

Wie Floskeln eine Rede verwässern

„Mögen hätte ich schon wollen, nur dürfen habe ich mich nicht getraut.“ Der Komiker Karl Valentin bringt auf den Punkt, was wohl landauf, landab viele Redner betrifft. Sie mögen und dürfen, aber sie machen nichts. Sie wollen wohl, aber sie trauen sich nicht.
Wie oft haben Sie zum Beispiel schon gehört: „Ich möchte nun unseren Bürgermeister begrüßen.“ Oder: „Ich darf Sie herzlich willkommen heißen!“ Oder: „Ich will mich ganz besonders bedanken bei …“.

Mit Höflichkeit hat das nichts mehr zu tun, eher mit übertriebener Zurückhaltung.  Der Redner schwächt mit Ausdrücken wie „mögen, „wollen“  und  „dürfen“  seine beabsichtigte Aussage ab. Er strahlt Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen aus.

An seinem Geburtstag sagt man  , wenn man Geschenke entgegennimmt, ja auch nicht: „Ich möchte mich ganz herzlich bei Dir für das Geschenk bedanken.“ Oder: „Ich darf Dich recht herzlich bei mir willkommen heißen!“

Seien Sie in Ihrer Rede klar, freundlich und verbindlich

Sprechen Sie also besser folgendermaßen: „Herzlich Willkommen! Ich freue mich, dass Sie hier sind!“ Oder: „Ich begrüße ganz herzlich unseren Bürgermeister!“ Oder: „Vielen Dank Ihnen, lieber  …“.
Klare Ausdrucksweise, freundlich und verbindlich: Ihr Publikum wird es Ihnen danken.

 

 

Rednerpult Redenschreiben

Rollenwechsel tut einem Redenschreiber gut

Auch Redenschreiber sollten reden

Reden selbst zu halten ist eine gute Schule auch für Redenschreiber. Diese Erfahrung machte ich wieder einmal, als ich als Vorsitzender eines Gesangvereins durch ein Konzert führen durfte. Ich hielt an diesem Tag auf einer Messe einen Vortrag und kam nach eineinhalbstündiger Autofahrt gerade rechtzeitig zur letzten Chorprobe vor dem Konzert zurück. Dann waren geladene Gäste zu empfangen und an ihre Plätze zu führen. Und schließlich stand ich  im Chor und stimmte das Eröffnungslied mit an.

Vorbereitet sein ist alle

Anschließend wollte ich zur Begrüßungsansprache ans Rednerpult treten. Doch verdammt! Wo war denn das Rednerpult? Es stand doch sonst immer auf der linken Bühnenseite! Doch weil es keiner dort hingestellt hatte, war es nicht da.
Also musste ich meine Ansprache freistehend auf der Bühne halten. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mein Redemanuskript auf kleine Karteikärtchen übertragen. Und ich hätte mir ein Ansteckmikrophon besorgt. So hielt ich in der einen Hand das Mikrophon, in der anderen meine weißen Manuskriptblätter. Ich redete also unter denkbar unprofessionellen äußeren Umständen.

Nun könnte man meinen, dass eine gewisse Unprofessionalität durchaus charmant wirken könnte. Stimmt! Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Dennoch ziehe ich es vor, möglichst professionell zu wirken.

Souverän mit Unvorhergesehenem umgehen

Die Professionalität fängt bei der Vorbereitung an. Überprüfen Sie die Technik und die zu erwartende Redesituation so zeitig vor Ihrem Auftritt, dass Sie gegebenenfalls noch etwas ändern können. Planen Sie vor Ihrem Auftritt etwas Zeit ein, um sich auf Ihre Rede einzustimmen. Und lassen Sie sich vor unerwartet auftretenden Schwierigkeiten nicht aus der Ruhe bringen. Wenn beispielsweise das Mikro während der Ansprache versagt, so empfinden das manche Redner als peinlich. Das muss allerdings nicht sein. Peinlich für das Publikum wird eine kleine Panne oder ein Missgeschick nur, wenn das Ihnen als Redner peinlich ist. Tragen Sie solche Dinge also am besten mit Humor und Gelassenheit. Gehen Sie souverän damit um!

Ich persönlich habe aus den Missgeschicken bei dem Konzert gelernt. Warum nicht künftig immer ohne Rednerpult begrüßen und durch das Konzert führen? Ein Rednerpult mag dem Redner zwar Sicherheit vermitteln. Er kann sich quasi daran festhalten. Aber es stellt auch eine Barriere zwischen ihm und dem Publikum dar. Spricht man frei, idealerweise mit Ansteckmikrophon, ist man seinem Publikum näher und kann seine Persönlichkeit freier entfalten.